Moskau/Marseille. (dpa) Forscher haben 30.000 Jahre alte, bisher unbekannte Riesenviren aus dem Permafrostboden zum Leben erweckt. Pithovirus sibericum infiziere Amöben, berichten sie in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften. Der Wiener Virologe Franz-Xaver Heinz entwarnt allerdings im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", dass das Riesenvirus "keine humanmedizinische Bedeutung" habe.

Dennoch betonen die Forscher, mit dem Tauen des Permafrostbodens beim Bohren nach Öl in der Arktis könnten weitere Viren frei und gefährlich werden. Riesenviren sind etwa so groß wie Bakterien und in einem Lichtmikroskop sichtbar. Bisher waren zwei unterschiedliche Familien bekannt: die Megaviren und die Pandoraviren. Das Team um Matthieu Legendre von der Aix-Marseille Universite in Marseille, Frankreich, spürte nun eine dritte Variante auf: das 1,5 Mikrometer (0,0015 Millimeter) lange Pithovirus. Sie hatten Proben des Permafrostbodens aufgetaut und dann im Labor mit Acanthamöben zusammengebracht. Die Amöben dienten als Köder, damit sich die Viren wieder vermehren.

Noch schnellere Schmelze


"Unseres Wissens nach ist dies das älteste Eukaryoten-infizierende Virus, das bisher zum Leben erweckt wurde", schreiben die Forscher. Die Pithoviren scheinen charakteristische Merkmale der beiden anderen bekannten Riesenvirus-Familien in sich zu vereinen. In ihrer amphoren-ähnlichen Struktur ähnelten sie den Pandoraviren, während ihr Gen-Gehalt und die Art der Replikation an Megaviren erinnerten.

Steigende Sommertemperaturen und der Rückzug des arktischen Meereises lassen die vor allem aus Permafrost bestehenden Steilküsten Ostsibiriens immer schneller zerfallen, berichteten deutsche Forscher anhand von Daten und Luftaufnahmen der Küstenstreifen am Montag.