Großer Schnabel, große Krallen: Gastornis. - © w. commons
Großer Schnabel, große Krallen: Gastornis. - © w. commons

Wien. Als vor 65 Millionen die Dinosaurier ausstarben, startete ein neuer Kampf um Spitzenpositionen in der Nahrungskette, diesmal zwischen Raubsäugern, Großechsen und extrem großen Laufvögeln. Die größten Riesenvögel, genannt "Donnervögel" (Dromornithidae), lebten in Australien, waren drei Meter groß und 600 Kilo schwer und fraßen entweder Pflanzen oder Fleisch. Die kleineren "Terrorvögel" (Phorusrhacidae), waren die fleischfressenden Raubtier-Könige Südamerikas. Weniger klar war bisher die Rolle der Gastornithidae. Mit zwei Meter Höhe und 175 Kilo Gewicht waren sie die größten Landwirbeltiere Europas und Nordamerikas.

Die Debatte, ob Gastornis Blätter oder Beutetiere in seinem mächtigen Schnabel zermalmte, gibt es seit 1855. Die Mehrheit der Forscher sieht in dem Laufvogel einen Fleischfresser des frühen Paläogen vor 61 bis 41 Millionen Jahren. Manche Wissenschafter aber halten ihn für ein zwar wehrhaftes, aber vegetarisches Tier. Bereits im Vorjahr gewann diese These Rückenwind: Bonner Forscher hatten die Kalzium-Isotopen-Zusammensetzung fossiler Knochen des Gastornis analysiert. Die Ergebnisse hatten auf einen Pflanzenfresser hingedeutet.

Bestätigt wird dies nun durch eine ungleich aufwändigere Studie französischer Forscher der Universität Lyon. Sie vergleichen zum einen die Kalzium-Isotopen-Zusammensetzung von Knochen fossiler wie rezenter Vögel und Säugetiere, zum anderen morphologische Merkmale von Vogelkiefern, aus denen sie Rückschlüsse auf Muskulatur und Ernährungsweise ziehen. Die Forscher bestätigen im Fachblatt "Naturwissenschaften": Die Knochen von Gastornis deuten auf eine vegetarische Ernährungsweise hin. Dies lasse sich auch aus den Merkmalen des Schnabels und Kiefers schließen. Die Kiefermuskulatur von Gastornis ähnelt demnach jener heutiger Pflanzenfresser. Dennoch verfügte das Tier nicht nur über einen extrem beißkräftigen Schnabel, sondern auch über kräftige Geh- und Trittwerkzeuge mit scharfen Krallen.