Wien. Am 12. März ist es wieder so weit: An der Wiener Universität werden, wie jedes Jahr an ihrem Gründungstag, besonders tüchtige Hochschulabsolventen "sub auspiciis Praesidentis", also in Anwesenheit des Bundespräsidenten, promoviert. Traditionell erhalten sie von ihm einen besonderen Promotionsring überreicht, der heuer neu gestaltet wurde.

Seit 1952 gibt es in Österreich die Promotion "sub auspiciis Praesidentis". Sie wird jenen Universitätsabsolventen zuteil, die nicht nur schon in der Schule stets mit Vorzugszeugnissen abgeschnitten, sondern auch ihr Studium in der Mindestzeit und mit Bestnoten abgeschlossen haben. Die Bestimmungen sind übrigens strenger als beim deutschen Hochschulabschluss "summa cum laude". Anders als in Deutschland wird in Österreich nicht nur der Hochschul-, sondern auch bereits der Schulerfolg für die Auszeichnung berücksichtigt.

Zur Auszeichnung gehört das Anstecken eines Rings. Dieser Ring ist in die Jahre gekommen. Er spiegelte die Ästhetik der 50er Jahre wieder und wirkte so klobig, dass ihn sich wohl niemand der Promovierten später noch angesteckt hat. "Kammerbarock" lautet die etwas spöttische Beschreibung des inzwischen veralteten Designs.

Nun sollte das Ganze äußerlich der Zeit entsprechend verändert werden. Das Wissenschaftsministerium schrieb einen Wettbewerb zur Gestaltung des Ehrenringes aus, allerdings in einer unüblichen Form: Denn die Adressaten waren nicht arrivierte Kunstschaffende, sondern Studenten der drei österreichischen Kunstuniversitäten: die Universität für angewandte Kunst und die Akademie der bildenden Künste in Wien sowie die Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz. Studierende sollten den Ehrenring für ihre besonders erfolgreichen Kommilitonen entwerfen.

Nur wenige Vorgaben waren zu berücksichtigen: Das Grundmaterial sollte aus Gold sein, das Bundeswappen sowie die Worte "sub auspiciis Praesidentis" mussten darauf sein, und schließlich sollte der Wert des neuen Rings nicht den des alten übersteigen. Besonderer Wert wurde auf die Alltagstauglichkeit des teuren Stücks gelegt, damit dieses künftig nicht in den Schränken der Promovenden verstaubt, sondern auch zum einen oder anderen feierlichen Anlass getragen werden kann.

Eine Jury aus Ministerium und Kunstorganisationen wählte den Entwurf der 26-jährigen Julia Obermüller aus Mödling aus, einer jungen Mutter und Studentenvertreterin, die an der Wiener "Angewandten" die Studienrichtung Industrial Design eingeschlagen hat. Allgemein wird seine schlichte und zeitlose Eleganz gelobt. Statt früher Gelbgold wird nun Weißgold verwendet. Mit dem neuen Ring wird das sogenannte Möbiusband abgewandelt, wobei fünf Bänder ein Fünfeck bilden, das zu einer Möbiusschleife verdreht wird. In eines der Bänder sind Spruchband und Bundesadler eingraviert, die Vorderseite ziert das in Email gehaltene Bundeswappen.

Wie in der Monarchie

Vor zwei Jahren feierte die Institution der "sub auspiciis"-Promotion ihren 60. Geburtstag. Mehr als 1000 jungen Akademikerinnen und Akademikern wurde seither diese Auszeichnung für ihren besonderen Fleiß an Schule und Universität zuteil. Sie geht zurück auf eine ähnliche Einrichtung, die es schon seit dem 17. Jahrhundert gab: Da hieß sie "sub auspiciis Imperatoris".

Eine Konstante des Ringes bleibt bestehen, die bis in die Zeit der Monarchie zurückreicht: Wie eh und je wird er von den Juwelieren Köchert in der Wiener Innenstadt hergestellt. Die Kosten liegen bei rund 2300 Euro pro Stück.