Dement zu sein, bedeutet häufig, sich selbst nicht mehr zu kennen. - © Fotolia/Osterland
Dement zu sein, bedeutet häufig, sich selbst nicht mehr zu kennen. - © Fotolia/Osterland

Wien. (gral/ag) Derzeit gibt es zwei Methoden, um eine vorherrschende Alzheimer-Erkrankung messbar zu machen. Einerseits können sogenannte Amyloid-Plaques - Proteinablagerungen im Gehirn, in den Blutgefäßen und im Rückenmark - mittels bildgebender Verfahren sichtbar gemacht werden. Mit entsprechenden Therapien wird dann versucht, die Entwicklung der Krankheit, bei der Nervenzellen im Gehirn regelrecht absterben, zu verzögern. Heilbar ist die Krankheit allerdings noch nicht.

Ein einfacher Bluttest könnte nun bald als Vorhersage dienen, ob ein Mensch an Alzheimer oder einer sogenannten leichten kognitiven Störung erkranken wird. Letztere ist eine bei älteren Menschen häufig auftretende Beeinträchtigung von Gedächtnis und Denkvermögen. Ein frühzeitiges Erkennen der Krankheit würde eine Behandlung ermöglichen, um den Ausbruch weiter nach hinten zu verlagern.

In einer im Fachblatt "Nature Medicine" veröffentlichten Studie berichten US-Wissenschafter, ein solcher Test könne zu 90 Prozent korrekt feststellen, ob einen Menschen in den nächsten zwei bis drei Jahren dieses Schicksal treffen wird. Zehn bestimmte Lipidstrukturen - Teile von Proteinen - geben demnach als Biomarker Auskunft über eine künftige Entwicklung der Erkrankung.

Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 weltweit ungefähr 115 Millionen Menschen - das entspricht etwa einer Verdreifachung der aktuellen Zahl - von derartigen neurodegenerativen Störungen betroffen sein werden. Mit einer entsprechenden, relativ zuverlässigen Vorhersage könnten sich Betroffene, ihre Familien und Ärzte schon frühzeitig überlegen, mit welcher Therapie der Krankheitsverlauf beeinflusst werden könne, so die Wissenschafter.

Ein neues Zeitfenster


Der Neurologe und Studienautor Howard Federoff vom Georgetown University Medical Center in Washington hofft, dass der Bluttest zur Entwicklung neuer Medikamente führen wird. Bisher seien Arzneien nämlich nur an Patienten getestet worden, bei denen Alzheimer bereits vorangeschritten sei. "Das vorklinische Stadium der Krankheit stellt ein Zeitfenster für ein frühzeitiges krankheitsänderndes Eingreifen dar."

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit nahmen die Wissenschafter von 525 gesunden, mindestens 70 Jahre alten Personen Blutproben. Drei Jahre danach untersuchten sie 53 der Testpersonen, die in der Zwischenzeit Alzheimer oder eine leichte kognitive Störung entwickelt hatten. Die Vergleichstests brachten zehn Lipide hervor, die klar die gesundheitliche Entwicklung hinsichtlich Alzheimer anzeigen. Vermutlich handelt es sich bei den Fettstrukturen um Stoffwechselprodukte, die beim Abbau der Membran von Gehirnzellen entstehen.

Je früher erkannt wird, dass die Krankheit im Anmarsch ist, desto schneller kann reagiert und das Ausbrechen von Alzheimer möglicherweise sogar unterbunden werden. Von einer Verzögerung der Krankheitsentwicklung würden aber nicht nur der Patient und dessen Angehörige profitieren, sondern auch der private und öffentliche Pflegebereich. Bessere Therapien für die weltweit zunehmenden Demenzerkrankungen in einer alternden Gesellschaft würden die Pflege wohl erleichtern.