Ethanol, Geist aus der Flasche - © corbis
Ethanol, Geist aus der Flasche - © corbis

Ein ganz normaler Freitagabend in einem kleinen Wirtshaus. Es gibt eine Theke und zwei große Gasträume mit gedeckten Tischen. Seit dem frühen Nachmittag hat das Lokal geöffnet. "Da stehen schon die Ersten vor der Türe", sagt Anton F., der Wirt. Den ganzen Abend wird Alkohol ausgeschenkt, Wein, Bier und Hochprozentiges. Die Stimmung wird gelöst, da und dort vielleicht ein bisschen gereizt, aber im Großen und Ganzen bleibt alles im Rahmen. Viele sind zum Essen gekommen und bestellen dazu ihre Getränke.

Auch bei der speziellen Gruppe, die sich Abend für Abend an der Theke versammelt und mehr wegen des Trinkens da ist als wegen des Essens, herrscht zu Beginn des Abends gute Laune. Man macht Witze und lacht vielleicht ein bisschen übertrieben, doch alles in allem ist es ein entspannender Abend, Auftakt zum Wochenende.
Gegen 22 Uhr brechen die meisten Gäste auf, die zum Essen gekommen sind. "Da ist das Geschäft gelaufen", sagt der Wirt. Dann beginnt für Anton F. und seine Kellnerinnen oder Kellner der anstrengendere Teil des Abends. Aus jahrelanger Erfahrung kennen sie die Wirkung des Alkohols auf die spezielle Kundschaft, die weniger wegen des Essen gekommen ist, sondern eher, weil man sich dort, an der Theke, wie in einem Wohnzimmer fühlt. Dann sind  "immer dieselben Stories" zu hören, die schon seit Jahren erzählt werden. Zunächst eher die großartigen. "G’scheit sind sie alle", sagt Anton F., "und müssen ganz dringend ihre Weisheiten zum Besten geben. Es gibt kaum nüchterne Menschen, die Ihnen dauernd erzählen, wie toll sie sind."


Links
Anton-Proksch-Institut:
www.api.or.at
Verein Alkohol ohne Schatten:
www.alkoholohneschatten.at
Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg:
www.weinobstklosterneuburg.at
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Später dann schlägt die Stimmung um, wie der Wirt weiß. "Dann fangen sie an, sich auszuweinen", ein Stadium, das für das Personal sehr anstrengend ist.  "Manchmal sitzen in Tränen aufgelöste Frauen an der Bar, und keiner hat mehr die Nerven, sie zu trösten."
Wobei diese Erfahrungen noch lange nicht die wirklich dramatischen sind. Anton F. kennt es auch wilder, vor allem im Fasching, die spezielle Art von "gemütlichem Beisammensein", bei der schon Schnaps auf der Straße getrunken wird und die häufig in wilden Schlägereien enden. "Immer ist der Alkohol daran schuld", sagt der Wirt.

Euphorie und Depression

Was umgangssprachlich Alkohol genannt wird, ist im chemischen Sinn Ethanol, eine Untergruppe der Alkohole. Es entsteht auch auf natürlichem Weg und gehört zu den ältesten Drogen der Menschheit. Bereits in Schriftrollen des Alten Reichs in Ägypten sowie in Keilschrifttafeln aus Mesopotamien, also vor mehr als 4000 Jahren, finden sich Anleitungen zur Produktion alkoholischer Getränke, das Wissen um den Umgang mit Wildhefe und  mit natürlichen Gärungsprozessen ist wesentlich älter. Auch Griechen und Römer setzten sich bereits mit dem Alkohol auseinander und widmeten ihm eigene Götter, Dionysos beziehungsweise Bacchus, die sich durch einen zwiespältigen Charakter auszeichneten: Auf der einen Seite verkörperten sie Freude und Lebenslust, auf der anderen Seite Wildheit und Gewalt, die auch die Ursache blutiger Tragödien sind. Etwa in dem Stück "Die Bacchantinnen" von Euripides, in dem eine Mutter im Rausch ihren Sohn ermordet.