Madrid/Wien. (est/afp) Spanische Forscher konnten nach eigenen Angaben bei Mäusen erstmals eine Gentherapie gegen Alzheimer erfolgreich testen. Die Studie begründe die "Hoffnung", dass das Verfahren auch auf Menschen anwendbar sei, berichtet das Team der Autonomen Universität Barcelona im "Journal of Neuroscience". Die Forscher haben einen wichtigen zellulären Mechanismus zur Gedächtniskonsolidierung entdeckt und dann eine Gentherapie entwickelt, die den Gedächtnisverlust rückgängig macht.

Das Team um den Neurowissenschafter Carlos Saura injizierte Mäusen ein Gen in das Gehirn, das die Produktion eines bestimmten Proteins anregt. Die Produktion dieses Eiweißes namens Crtc1 wird bei Alzheimer-Patienten blockiert. "Wenn Crtc1 verändert ist, können die für die Synapsen verantwortlichen Gene nicht aktiviert werden, und die Person kann Gedächtnisaufgaben nicht mehr richtig ausführen", erklärt Saura. Die nun neu entwickelte Gentherapie besteht darin, in den Hippocampus das Crtc1-Gen zu injizieren, das die Produktion des gleichnamigen Proteins anregt und damit jene Gene aktiviert, die für die Gedächtniskonsolidierung verantwortlich sind.

Durch das Verfahren sei es gelungen, eine "Konsolidierung des Langzeit-Gedächtnisses" bei den Mäusen herbeizuführen. Wenn sich herausstelle, dass das Verfahren auch beim Menschen anschlage, könne eine "Wiederbelebung des Gedächtnisses" erfolgen, sagte Saura: "Diese Arbeit eröffnet neue Perspektiven zu Prävention und Therapie von Alzheimer. Eine Gentherapie, die das Crtc1-Protein aktiviert, hat den Gedächtnisverlust bei Labormäusen effektiv verhindert", so Saura.

Nur "gedämpft optimistisch" äußert sich Jürgen Sandkühler, Vorstand des Zentrums für Hirnforschung der Medizinuni Wien. "Das vorgestellte Prinzip ist durchaus plausibel. Ob es als Therapie taugt, ist dagegen fraglich. Das betreffende Gen ist weder spezifisch für Gedächtnisleistungen, noch ist die Alzheimer’sche Erkrankung vermutlich monokausal", warnt er vor zu hohen Erwartungen.

Durch die Alzheimer-Krankheit wird die Gedächtnisleistung der betroffenen Patienten fortlaufend abgebaut. Weltweit sind derzeit 35 Millionen Menschen betroffen, jährlich kommen 7,7 Millionen neue Patienten hinzu.