Palo Alto/Nairobi. Ein Rückgang der Artenvielfalt bei großen Wildtieren könnte das Krankheitsrisiko für Menschen erhöhen. Diesen Zusammenhang haben Forscher in einem aufwendigen Experiment in der Savanne Ostafrikas nachgewiesen. Dort ging der Verlust des Großwilds mit einer Zunahme der Nagetiere einher - und damit auch von Bakterien, die beim Menschen Erkrankungen verursachen.

Die Forscher entfernten aus einem Areal in Kenia vor allem Pflanzenfresser wie Zebras, Giraffen und Elefanten. In den folgenden beiden Jahren untersuchten sie die Zahl der Nagetiere, deren Befall mit Flöhen und die Häufigkeit des Auftretens von Bartonella-Bakterien. Flöhe können diese Erreger von Nagern auf Menschen übertragen, wo sie Erkrankungen auslösen. Die Entwicklung verglichen sie mit der eines Nachbargebiets, in dem die Großsäuger erhalten blieben. Über die Ergebnisse berichteten die Biologen der kalifornischen Stanford University in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.

Vom Tier zum Menschen


Die Stärke des Bartonella-Befalls der Nagetiere und ihrer Flöhe unterschied sich zwar nicht stark vom Vergleichsareal. Doch die Zahl der infizierten Nager und Flöhe stieg um das Doppelte. Damit steige auch das Übertragungsrisiko auf den Menschen. Somit stehe der Verlust der Artenvielfalt in direktem Zusammenhang mit dem Anstieg des Zoonose-Risikos. Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Allerdings betonen die Forscher, dass das alleinige Vorhandensein von infizierten Nagern nicht ausreiche. Zwar weiß man, dass Flöhe Krankheiten von Nagetieren auf den Menschen übertragen. "Die Übertragung von Zoonose-Erregern auf den Menschen ist aber sehr komplex und wird auch durch Hygiene und Ernährung beeinflusst", so die Forscher.