Eine Proteinbombe für Fleischtiger. Vegetarier sind dagegen mit Soja gut bedient. - © Corbis/Franz Marc Frei
Eine Proteinbombe für Fleischtiger. Vegetarier sind dagegen mit Soja gut bedient. - © Corbis/Franz Marc Frei

Wien/San Diego. Fleisch und Eier zum Frühstück sind vielleicht nicht jedermanns Sache, aber offenbar die sinnvollste Nahrung zu dieser Tageszeit. Briten und Amerikaner liegen ernährungstechnisch mit Turkey Sausage, Eggs und Beans also gar nicht so falsch. Denn Menschen, die dem Körper schon am Morgen mehr Proteine, also Eiweiß, zuführen, sind den ganzen Tag über gesättigter und damit bei den Folgemahlzeiten sparsamer im Umgang, wie aktuelle Untersuchungen zeigen.

Stabiler Blutzuckerspiegel


Eine ausreichende Zufuhr von Proteinen sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel stabil gehalten werden kann. So kann die Energieversorgung der Zellen und damit die Zellerneuerung sichergestellt werden. Weiters kurbeln Eiweiße die Hormonproduktion an und unterstützen damit die Bauchspeicheldrüse. Diese schickt in Folge Verdauungsenzyme in den Darm, die die aufgenommene Nahrung verwerten. Bei Hungergefühl stehen die Proteine als Reservesubstanz zur Verfügung. Alles in allem also eine Wohltat für den Körper.

Dies zeigen auf jeden Fall jüngste Vergleichsstudien aus den USA. Demnach sei es wichtig, die richtige Menge an Eiweiß zu wählen, um einen Nutzen daraus ziehen zu können. "Menschen, die proteinreicher speisen, haben ein höheres Sättigungsgefühl und nehmen in Folge weniger Kalorien zu sich", berichtete die beim Lebensmittelunternehmen Hillshire Brands tätige amerikanische Ernährungswissenschafterin Kristin Harris im Rahmen der Konferenz "Experimental Biology 2014" in San Diego, an der die Amerikanische Gesellschaft für Ernährung beteiligt ist.

Getestet wurde vom Forscherteam vorwiegend der Sättigungseffekt von sechs verschiedenen Frühstücksarten bei einem relativ gleich bleibenden Anteil von Kalorien, Fett und Ballaststoffen. Aufgetischt wurden den Versuchsteilnehmern drei Truthahnbrust-Eier-Mahlzeiten mit je 40, 23 und 9 Gramm Eiweißanteil, ein Zerealien-Milch-Frühstück mit acht Gramm, Pancakes und Sirup mit drei Gramm Eiweiß sowie kein Frühstück. Vor sowie in 30-Minuten-Intervallen nach der Morgenmahlzeit wurden die Probanden über ihr Hungerlevel befragt. Vier Stunden später bekamen sie ein Nudelgericht serviert und sollten so viel essen, bis sie angenehm satt waren.

Neue Wertigkeit


Bei einem höheren Proteinanteil am Morgen kam es in Folge zu einer geringeren Kalorienaufnahme beim Mittagessen, wie die Forschungsleiterin Melinda Karalus die Resultate berichtete. "Die Kraft der Proteine bekommt damit eine neue Wertigkeit", erklärte Harris, - vor allem dann, wenn man die optimale Menge konsumiert.

Ein weiteres Forscherteam untersuchte die Effekte mit 39, 30 und 3 Gramm Eiweißanteil. Die Wissenschafter konnten bei höherem Proteingehalt eine bessere Stabilisierung des Blutzuckerspiegels feststellen.

Das bedeutet aber nicht, dass Fleisch, Eier oder auch Fisch das tägliche Frühstück dominieren sollen. Proteine stecken nämlich vermehrt auch in Sojaprodukten, Hülsenfrüchten wie Erbsen, Bohnen und Linsen, oder aber Nüssen. Für Veganer und Vegetarier ist also auch gesorgt. Überdies gelten pflanzliche Proteine als gesünder, weil sie leichter als tierische verwertet werden können - und weniger Fett enthalten.