Eine jubelnde Mannschaft bringt jubelnde Fans hervor. Doch das Mitgefühl kann auch in eine andere Richtung gehen. - © Fotolia/Monkey Business
Eine jubelnde Mannschaft bringt jubelnde Fans hervor. Doch das Mitgefühl kann auch in eine andere Richtung gehen. - © Fotolia/Monkey Business

Wien. (gral) Wenn am Donnerstag in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft startet, haben die sogenannten Spiegelneuronen im Gehirn wieder ganze Arbeit zu leisten. Denn ob nun die Lieblingsmannschaft gewinnt oder verliert, entlockt dem Fußballfan viele unterschiedliche Emotionen. Doch deren Intensität hängt auch davon ab, wie viel Wissen und Erfahrung der Zusehende mitbringt.

Der Effekt dieser Spiegelneuronen begleitet uns stetig durch den Alltag. Wer in der U-Bahn jemanden lächeln sieht, lächelt unwillkürlich zurück. Weint das Gegenüber, sei es auch nur in einem Film, dann fühlt man sich selber traurig. Auch Gähnen ist quasi ansteckend. Diese Empathie verdanken wir diesen ganz speziellen Nerven im Gehirn. Erst sie machen den Menschen zu einem sozialen, mitfühlenden Wesen.

"Spiegelneuronen könnten dafür verantwortlich sein, dass wir uns in jemanden hineinfühlen können, und uns in die Lage versetzen, das Selbst vom Nicht-Selbst zu unterscheiden", erklärt Ornella Valenti von der Abteilung für Kognitive Neurobiologie am Zentrum für Hirnforschung der Meduni Wien.

Und: Je mehr das Gesehene unseren früheren Erfahrungen, insbesondere in Bezug auf die Beobachtung von motorischen Aktivitäten, entspricht, desto stärker feuern die Spiegelneuronen. Erfahrene Fußballfans fiebern daher mit ihrem Favoriten intensiver mit als Laien.

Denn Fans, die selbst viel Fußball spielen oder gespielt haben, die wissen, wie das Spiel funktioniert, können ein solches besser "lesen", so Valenti in einer Aussendung der Meduni Wien. "Studien haben gezeigt, dass diese Fußball-Experten während des Spiels Aktionen besser vorhersagen können. Dabei feuern die Spiegelneuronen mehr als bei anderen, die weniger vom Fußball verstehen." Dementsprechend feuerten sie bei Kontrollgruppen, die noch nie oder selten ein Fußballmatch gesehen und selbst nicht gespielt haben, nicht oder kaum.

Gib dem Affen Futter


Spiegelneuronen sind im menschlichen Gehirn vor allem in jenen Regionen verbreitet, in denen Handlungen geplant oder initiiert werden. Erst vor 30 Jahren sind Forscher bei ihrer Arbeit mit Affen auf sie gestoßen. Griffen die Tiere nach Futter, konnte eine bestimmte neuronale Aktivität gemessen werden. Doch das Messgerät schlug auch aus, als einer der Wissenschafter nach einer Nuss griff. Weitere Untersuchungen zeigten, dass Spiegelneuronen auch die Absicht hinter einer Handlung erkennen können.

In der Rehabilitationsmedizin werden sie vor allem bei Schlaganfallpatienten angeregt. Am Bildschirm gezeigte Übungen sollen die Patienten anregen, diese auch selbst durchzuführen.

"Generell tragen Spiegelneuronen positiv zum Lernverhalten und zur Kommunikation bei, etwa auch bei Kleinkindern, die uns imitieren", erklärt Ornella Valenti. Schon bei wenige Tagen alten Babys sorgen diese Nerven vermutlich dafür, dass diese Grimassen nachmachen. Die Forschung steht in diesem Bereich noch am Anfang. Doch vermutlich werden die Spiegelneuronen auch aktiv, wenn es um das Erlernen und Imitieren der Schusshaltung beim Kicken geht. Was wiederum die Voraussetzung dafür ist, bei einem Fußballmatch ordentlich mitfiebern zu können.