Wien. Eine mögliche Pandemie - also eine länder- oder kontinentübergreifende Ausbreitung - durch das Vogelgrippevirus H1N1 gilt nach wie vor als Schreckgespenst. Nach der Auswertung einer Studie können Mediziner nun beruhigen. Das angewendete, jedoch umstrittene Mittel Tamiflu, ein sogenannter Neuraminidasehemmer, sei zwar kein Wundermittel, aber definitiv wirksam. So konnte anhand von 29.000 Daten von Spitalspatienten eine Reduktion der Todesrate um 20 Prozent erreicht werden. Und das unabhängig vom Zeitpunkt der Einnahme. "Wenn Neuraminidasehemmer in den ersten zwei Tagen der Erkrankung gegeben wurden, konnte die Mortalität sogar um 50 Prozent gesenkt werden", erklärt Heinz Burgmann von der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin der Meduni Wien. Dieser Effekt trete allerdings nur bei Erwachsenen ein und nur bei einer H1N1-Influenza - hingegen nicht bei einem normalen Grippevirus.

Metaanalyse widerlegt


78 Zentren in 40 Ländern, darunter die Meduni Wien, waren an der internationalen, retrospektiven Studie beteiligt. Mit ihrem Nachweis konnten die Wissenschafter unter Leitung der "Division of Epidemiology and Public Health" der Universität Nottingham auch eine Metaanalyse der Cochrane Collaboration widerlegen, die Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir) eine sehr schwache Wirkung zugeschrieben hatte.

Die Weltgesundheitsorganisation hat zur Verhinderung einer von ihr befürchteten Influenza-Pandemie durch das Vogelgrippevirus allen Staaten geraten, so große Mengen dieses Mittels vorrätig zu halten, dass damit rund 25 Prozent der Bevölkerung versorgt werden könnten. Auch die Gesundheitsbehörde der USA (Centers for Disease Control and Prevention) empfiehlt Oseltamivir als sinnvollen Wirkstoff gegen eine H1N1-Influenza.