Das Nordmeer "Ligeia Mare" zeigt erstmals Aktivität. - © Nasa
Das Nordmeer "Ligeia Mare" zeigt erstmals Aktivität. - © Nasa

Ithaca. Die Temperatur auf der Oberfläche liegt im Durchschnitt bei etwa minus 180 Grad Celsius. Dennoch gilt der Saturnmond Titan als der erdähnlichste Himmelskörper des Sonnensystems. Nun hat die US-europäische Raumsonde "Cassini" auch erd-ähnliche Phänomene erspäht.

Berge, Dünen und Seen prägen das äußere Erscheinungsbild des Himmelskörpers. Bei der Flüssigkeit handelt es sich jedoch nicht um Wasser, sondern vorwiegend Methan. Neben der Erde ist der größte Saturnmond das einzige Objekt im Sonnensystem mit einem Flüssigkeitskreislauf. Auf der Südhalbkugel und am Äquator des Mondes hat "Cassini" in der Vergangenheit bereits Oberflächenveränderungen wie wandernde Küstenlinien beobachtet. Nun gab es auch erstmals sichtbare Aktivitäten im Norden, wo bis 2009 Winter herrschte. Seither steigen die Temperaturen langsam an. Im Jahr 2017 wird auf der Nordhalbkugel von Titan Hochsommer sein. Das Klima auf Titan wird wie auf unserem Planeten von vier Jahreszeiten geprägt, die allerdings jeweils 7,5 Erdjahre andauern.

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Radaraufnahmen von Titans Nordmeer Ligeia Mare vom Juli 2013 zeigen nun helle Merkmale, die sowohl auf älteren als auch auf neueren Bildern nicht zu sehen sind. Sie könnten von Wellen stammen, da mit wärmeren Temperaturen auch die Windgeschwindigkeiten zunehmen dürften, schreibt das Wissenschafter-Team um Jason Hofgartner von der Cornell-Universität in Ithaca (US-Bundesstaat New York) im britischen Fachmagazin "Nature Geoscience".

Dies seien die ersten Hinweise auf aktive Oberflächenprozesse im Norden des Mondes nach dem Beginn des Sommers. Es könnte allerdings auch andere Erklärungen für die Phänomene geben: etwa aufsteigende Gasblasen oder schwimmende Objekte aus Verbindungen wie Polyethin, die im Winter im Nordmeer eingefroren waren und mit den wärmeren Temperaturen nun auftauchten. Insgesamt legten die Phänomene nahe, dass die Meere auf Titan durch die Jahreszeiten ähnlichen Änderungen unterworfen seien wie Seen auf der Erde, schreiben die Forscher.

Die Raumsonde "Cassini" hat seit dem Jahr 2004 den Saturnmond vielfach überflogen und dabei seine Oberfläche mit Radar aufgenommen.