Archaeopteryx: Anreicherung bestimmter Metalle in Fossilien lassen auf die Farben seines Federkleids schließen. - © corbis/Daniel Eskridge
Archaeopteryx: Anreicherung bestimmter Metalle in Fossilien lassen auf die Farben seines Federkleids schließen. - © corbis/Daniel Eskridge

München. (dpa/est) Fesch sein für die Partnersuche: Das Thema begleitete schon den Urvogel Archaeopteryx vor 150 Millionen Jahren. Er entwickelte nämlich sein Federkleid zunächst nicht zum Fliegen, sondern als Schmuck. Vor allem mit den Federn an Schwanz, Flügeln und Hinterbeinen wollte der Urvogel Partnern gefallen. Entgegen früheren Annahmen war er allerdings sehr wohl in der Lage, zu fliegen, berichten Forscher um Oliver Rauhut, Konservator an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, in der Fachzeitschrift "Nature".

Bisher waren viele Forscher davon ausgegangen, dass Archaeopteryx sich vor allem hüpfend fortbewegte. "Interessanterweise waren seine seitlichen Schwanzfedern aber aerodynamisch geformt und dürften eine wichtige Rolle bei der Flugfähigkeit gespielt haben", sagt Koautor Christian Foth. Auch Rauhut betont: "In irgendeiner Form konnte er fliegen. Wir sind nur nicht sicher, wie gut."

Leuchtende Flecken


Die Forscher der Münchener Staatssammlung und der Ludwig-Maximilians-Universität hatten den elften, 2011 entdeckten Archaeopteryx untersucht. Er hat von allen Funden das besterhaltene Federkleid. Das Ergebnis: Die Vorfahren der Vögel legten sich ihre Federn nicht zu, um sich in die Lüfte zu schwingen. Sondern erst als sie einmal vorhanden waren, dienten sie auch dem Flug.

In diese Richtung wiesen bereits Studien an anderen Dinosauriern: Manche hatten einen weichen, warmen Federflaum, obwohl sie nie flogen. Vor zwei Jahren hatten die Münchner Forscher einen Baby-Raubsaurier untersucht, verwandt mit dem berüchtigten Tyrannosaurus. Unter ultraviolettem Licht sahen sie die Reste der Haut und des Federkleides als leuchtende Flecken und Fasern - der Beweis, dass Jungtiere Federn hatten. Rauhut schloss damals nicht aus, "dass auch ein ausgewachsener Tyrannosaurus rex noch flauschig war".

Auch Funde gefiederter Saurier aus China brachten das Bild der drachenartigen Reptilien ins Wanken. Da die wärmende Bedeckung nur Sinn hat, wenn Tiere ihre Körpertemperatur regeln können, müssen Dinosaurier und Archaeopteryx eine Art Warmblüter gewesen sein. Damit waren sie höher entwickelt als manche heutigen Reptilien. Diese "fortschrittlichen" Raubsaurier, frühe Vögel und Archaeopteryx nutzten die Federn vermutlich auch beim Laufen: Ihre Schwingen dienten zum Halten der Balance, ähnlich wie bei Straußen.

Mit seinen Federn konnte sich der Archaeopteryx auch aufplustern. "Das vergrößert die Oberfläche und macht die Tiere imposanter", sagt Rauhut. Vielleicht diente es auch als Drohgebärde gegenüber Feinden - oder eben bei der Partnersuche.

Noch rätseln die Forscher, wie bunt der Urvogel war. Ziemlich sicher ist: Er war nicht knallbunt wie ein Papagei - aber auch nicht nur schwarz-weiß, wie oft dargestellt. Vor einem Jahr ergab eine Studie, dass die Federn dunkle Kanten und Spitzen hatten und das Federkleid gemustert war. Mit einer speziellen Röntgentechnik entdeckte das Team der Universität Manchester und des Berliner Museums für Naturkunde damals Metallspuren, die auf helle Farben in der Federmitte hindeuten.

Kupfer und Eisen im Pigment


"In den Pigmentkörperchen gibt es Anreicherung bestimmter Metalle: Kupfer, Eisen. Das führt dazu, dass bestimmte Farben sichtbar werden", erklärt Daniela Schwarz-Wings, Kuratorin für fossile Reptilien am Naturkundemuseum. "Es könnten schwarze, braune und rote Farbbereiche da sein." Der Archaeopteryx war vermutlich eher dunkel. Schillernde Farben könnten die Analysen allerdings gar nicht nachweisen, da diese durch den inneren Aufbau der Feder vorgegeben seien, im Stein ist aber nur der äußere Abdruck erhalten.

Das Team um Foth und Rauhut ordnete das rekonstruierte Federkleid des Urvogels auch in eine Übersicht der bekannten Federformen bei Dinosauriern ein - sie bieten große Vielfalt. "Wären die Federn primär für das Flugvermögen entstanden, dann hätte das die Variation aus funktionalen Gründen vermutlich eingeschränkt", sagt Foth. Es gab Saurier mit gefiederten Beinen, langen Federn bis zu den Zehen oder daunenartigem Gefieder.

Nach den neuen Erkenntnissen müsste wohl so manches Saurier-Modell in Museen und Spielzeugabteilungen angepasst werden: Die Dino-Welt war vielfältiger und bunter als angenommen.