Wien. Vor einiger Zeit war Figaro draufgekommen, wie man aus einem Holzbalken längliche Splitter herstellt, um damit eine Nuss aus einer vergitterten Box zu holen. Figaro ist ein Goffin-Kakadu und erlangte mit dieser Aktion das Aufsehen eines internationalen Teams des Departments für Kognitionsbiologie der Universität Wien.

In weiterer Folge taten es Pipin, Dolittle und Kiwi ihrem Lehrmeister gleich. Damit wurde erstmals klar, dass Kakadus den Gebrauch und die Herstellung von Werkzeugen von ihren Artgenossen lernen können, wie die Forscher um die Kognitionsbiologin Alice Auersperg in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" berichten.

Vorbild nicht exakt imitiert


Die drei anderen Männchen imitierten aber nicht exakt jene Methodik, die ihr Vorbild Figaro anwendete, sondern variierten diese kreativ, um zum selben Ergebnis zu kommen - das begehrte Futter zu erreichen. Die drei nahmen die Splitter anders in den Schnabel, hantierten unterschiedlich und nutzten eine andere Stelle der Gitterbox. "Die Papageien müssen den Demonstrator sehen und seine Interaktion mit dem Werkzeug, dann entwickeln sie aber ihre eigenen Strategien, um dasselbe Resultat zu erreichen", erklärte Auersperg.

Zwei der erfolgreichen Beobachter wurden später in Abwesenheit von fertigen Stöckchen, aber mit geeignetem Herstellungsmaterial getestet. Einer begann sofort, seine eigenen Werkzeuge aus einem Holz zu beißen. Der andere war nach einer weiteren Lehreinheit ebenso erfolgreich.

Drei weitere zum Experiment herangezogene Kakadudamen hingegen wirkten weniger motiviert und kamen nicht an das Futter, so die Forscher. Möglicherweise seien sie weniger daran interessiert, etwas vom anderen Geschlecht zu übernehmen. Auch die Lebensweise in der Natur könne eine Rolle spielen - Kakadudamen werden dort in der Brutzeit von den Gefährten gefüttert, was möglicherweise dazu führt, dass sich die Verstandesleistungen bei der Futtersuche unterscheiden.

Bei Vögeln, denen der Gebrauch von Werkzeug nicht angeboren ist, konnte die soziale Weitergabe dieser Fertigkeit bisher noch nie nachgewiesen werden.

Lehrvideo für Affen


Besonders gute Lehrlinge scheinen auch wilde Weißbüschelaffen zu sein. Sie konnten sich im Versuch Techniken aneignen, die für sie fremde an der Universität Wien ausgebildete Artgenossen per Lehrvideo vorführten, berichten Wiener Kognitionsbiologen um Tina Gunhold in den "Biology Letters". Dass Weißbüscheläffchen sogar von zweidimensionalen Bewegtbildern unbekannter Artgenossen lernen können, unterstreiche die große Bedeutung von sozialem Lernen bei Primaten, hieß es.