Siamangs betreuen ihren Nachwuchs. - © Frank Leonhardt/dpa/Corbis
Siamangs betreuen ihren Nachwuchs. - © Frank Leonhardt/dpa/Corbis

New Haven/Wien. (gral/apa) Selbstloses Verhalten, aber auch die Kooperationsbereitschaft von Menschen, scheint in den Genen zu liegen. Beim einen mehr, beim anderen weniger. So konnte der österreichische Biomathematiker Martin Nowak von der Harvard University gemeinsam mit Kollegen einen bestimmten Phänotyp aufzeigen, der diese stabile persönliche Eigenschaft hervorbringt. Gleichzeitig haben Forscher der Uni Zürich und der Uni Graz in einer weiteren Studie die mögliche evolutionäre Wurzel der Hilfsbereitschaft entschlüsselt.

Denn wer einmal selbstlos hilft, tut das für gewöhnlich wieder - auch bei größeren Zeitabständen, stellten die Wissenschafter fest. In der von David Rand vom Department of Psychology der Yale University geleiteten Studie ließen die Forscher dieselben Teilnehmer online verschiedene Spiele spielen. Nämlich solche, bei denen es um Kooperation ging, und andere, bei denen man egoistisches Verhalten abstrafen konnte. Aber auch Auktionen, in denen sich zeigen sollte, wie wettbewerbsorientiert sie sind, wurden durchgeführt.

Die Entscheidungen der einzelnen Personen korrelierten bei den verschiedenen Kooperationsspielen, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Communications". Von der Kooperationsbereitschaft unabhängig waren jedoch die Vorlieben zu Strafaktionen und der Ehrgeiz der Probanden, Auktionen zu gewinnen.

Auch stellten die Forscher anhand weiterer Tests fest, dass Personen, die in den Spielen oft kooperierten, auch im echten Leben hilfreicher sind. "Der Kooperations-Phänotyp erstreckt sich also über die Spielewelt hinaus in das tatsächliche Hilfestellungs-Verhalten", heißt es im Fachblatt.

Doch woher kommt diese Hilfsbereitschaft? Hier scheinen Anthropologen und Zoologen einen möglichen Ursprung gefunden zu haben. Denn nicht nur Menschen sorgen sich um das Wohlergehen anderer und stehen helfend zur Seite. Diese Selbstlosigkeit zeigt sich auch bei manchen Primatenarten. Die gemeinschaftliche Aufzucht des Nachwuchses könnte die evolutionäre Wurzel dieser Hilfsbereitschaft sein, schreiben auch sie in "Nature Communications".

Gemeinsame Jungenaufzucht


Die Forscher entwickelten eine Versuchsanordnung, die zeigen sollte, ob und welche Individuen der für die Testreihe ausgewählten Primatenarten bereit sind, uneigennützig zu handeln und Futter für andere Gruppenmitglieder zu beschaffen, auch wenn sie selbst dabei leer ausgehen. Zudem beobachteten sie Menschen-Kinder im Alter zwischen vier und sieben Jahren bei der Lösung derselben Aufgabe. Unter den Primaten fanden sich auch Tiere einer im Tiergarten Herberstein gehaltenen Gibbonart, bei der die Väter nach dem ersten Jahr die Kindererziehung übernehmen. Besonders diese hätten "sehr sozial" gehandelt, schreiben die Forscher um Adolf Heschl von der Uni Graz. Nicht so "hochgradig altruistisch" wie es die Zürcher Erstautorin Judith Burkart Menschen und goldenen Löwenäffchen zuschreibt, aber doch stärker als etwa Schimpansen. Als stärksten Faktor für die selbstlose Hilfsbereitschaft erkannten die Forscher die gemeinsame Jungenaufzucht - also die Fürsorge durch viele Gruppenmitglieder.

Demnach sei die gemeinsame Jungenaufzucht der Schlüssel zur Geburt sozialen Verhaltens, stellen die Forscher fest.