Kampala. Erstmals haben Forscher in freier Wildbahn beobachtet, wie Schimpansen voneinander lernen, neue Werkzeuge zu verwenden. Von den Affen seien mehr als 30 Verhaltensweisen bekannt, die als sozial erlernt gelten, erklären die Wissenschafter im Fachmagazin "Plos Biology". Dazu habe es Versuche mit Tieren in Gefangenschaft gegeben, eine direkte Beobachtung in freier Natur habe aber bisher gefehlt.

Die Forscher um Thibaud Gruber von der Universität Neuchatel in der Schweiz hatten Schimpansen im Budongo-Schutzgebiet im Nordwesten Ugandas beobachtet. Die Tiere nutzen Schwämme aus zerkauten Blättern, um Wasser aus Baumhöhlen zu holen. Einige Schimpansen entwickelten zwei zuvor nicht beobachtete Varianten: Schwämme aus Moos allein oder Laub und Moos sowie die erneute Nutzung bereits verwendeter Schwämme.

Als Erster verwendete demnach das dominante Männchen der beobachteten Gruppe, der 29-jährige Nick, einen Moos-Schwamm. Dabei wurde er von einer Artgenossin beobachtet, die sein Verhalten nachahmte. Im Laufe der nächsten Tage kamen weitere Tiere hinzu. Die neuen Moos-Nutzer hatten zuvor jeweils Artgenossen mit solchen Schwämmen beobachtet. Hinzu kam eine wachsende Zahl von Tieren, die einen abgelegten Moos-Schwamm erneut benutzte.

Soziales Lernen durch Beobachten und Nachahmen


Mit Hilfe statistischer Methoden wiesen die Forscher nach, dass sich das neue Verhalten entlang des sozialen Netzwerks seines Erfinders ausbreitete. Es handelte sich also nicht um individuelles Lernen, bei dem jedes Tier für sich das neue Werkzeug entwickelt, sondern um soziales Lernen durch Beobachten und Nachahmen. Soziales Lernen gilt als eine Grundvoraussetzung von Kultur. Die Beobachtungen stützen die Annahme, dass bereits der letzte gemeinsame Vorfahr von Schimpanse und Mensch zu solchem kulturellen Verhalten fähig war, schreiben die Forscher.

Die Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten über Generationen hinweg gilt als entscheidender Faktor für den evolutionären Erfolg der Menschheit. Die Mechanismen sozialen Lernens sind allerdings im Detail unklar. Daher gelte es nun, die zugrunde liegenden kognitiven und neuronalen Prozesse näher zu untersuchen, so die Forscher.

Der weltweite Schimpansenbestand wird auf etwa 170.000 bis 300.000 Tiere geschätzt. Alle vier Unterarten sind auf der Roten Liste bedrohter Arten als "stark gefährdet" eingestuft. Die Waldbewohner werden vor allem durch Zerstörung ihres Lebensraumes, Jagd und Krankheiten bedroht.