Wien. Quer durch alle Bevölkerungsschichten erkranken etwa ein Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens an Schizophrenie. Falsche Vorstellungen, Mythen und Stigmatisierung belasten die Betroffenen wie eine noch zusätzlich aufgetretene Erkrankung. Die Akzeptanz der Betroffenen hat eher abgenommen, stellten Experten Dienstagabend bei einem Hintergrundgespräch in Wien fest.

Warum gerade die Schizophrenie in der Einschätzung der Allgemeinbevölkerung so schlecht wegkommt, ist nicht ganz klar. "In einen Depressiven können wir uns hineindenken. Eine Suchtproblematik ist für viele von uns nachvollziehbar", sagte Wolfgang Fleischhacker, Leiter des Departments für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Innsbruck. Doch die Schizophrenie werde offenbar kaum verstanden.

Mythen und Vorurteile


Der Experte nannte mehrere falsche Vorstellungen, Mythen und Vorurteile rund um die Erkrankung: "Schizophrenie ist unbehandelbar oder unheilbar. Schizophrenie ist eine geistige Behinderung. Schizophrene Patienten sind gefährlich und unberechenbar. Ein schizophrener Patient kann nicht arbeiten gehen. Die Schizophrenie wird durch Erziehungsfehler verursacht." Das alles sei falsch. Zehn bis 15 Prozent der Patienten erleben nur eine schizophrene Episode in ihrem Leben. Die Behandlung besteht in Medikamenten, Psychotherapie, psychosozialen Maßnahmen und Soziotherapie.

"Je früher behandelt wird, desto erfolgreicher ist das. Wir erreichen unter einer frühen Behandlung bei 70 bis 80 Prozent aller Ersterkrankten Symptomfreiheit oder Fast-Symptomfreiheit. Bei 60 bis 80 Prozent aller Patienten kann ein Rückfall verhindert werden", so Fleischhacker. Solche Behandlungserfolge könne die Medizin bei vielen anderen Erkrankungen heute nicht erzielen.