Wien. Üblicherweise rotieren Planeten in die gleiche Richtung um ihre Sonne, wie sich diese selbst dreht. Beobachtungen von Exo-Planeten haben aber gezeigt, dass einige anders rotieren als ihre Sonne. Wiener Astrophysiker um Eduard Vorobyov haben dazu eine neue Erklärungstheorie veröffentlicht: Am Beginn der Entstehung von Planetensystemen könnten kollidierende Gaswolken Planeten "andersrum" rotieren lassen, schreiben sie im Fachmagazin "Astronomy and Astrophysics" .

Unsere Sonne dreht sich - von "oben" betrachtet - gegen den Uhrzeigersinn. Üblicherweise rotieren auch alle Planeten um ihr Zentralgestirn in diese Richtung. Der Grund für die Gleichförmigkeit liegt in der Entstehung der Systeme: Nach gängiger Theorie bilden sich Sterne aus rotierenden Gasmassen, die sich zusammenziehen und - wie eine Eiskunstläuferin bei einer Pirouette - immer schneller zu drehen beginnen. Im Laufe der Zeit formiert sich so eine flache, riesige Gas- und Staubscheibe um den Stern, in der sich auch die Planeten bilden. Aufgrund des Drehimpuls-Erhaltungssatzes rotieren sie in die gleiche Richtung um ihre Sonne, wie sich diese um ihre eigene Achse dreht.

Chaotisches Gasmedium


Beobachtungen von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems - bisher wurden über 1800 solcher "Exoplaneten" entdeckt - haben jedoch gezeigt, dass einige Planeten ihren Stern "falsch herum" umlaufen. Als mögliche Erklärung dafür galt bisher, dass sich mehrere Planeten eines Sonnensystems durch ihre Schwerkraft so beeinflussen, dass sie rückläufige Bahnen einnehmen.

Die Forscher vom Institut für Astrophysik der Universität Wien schlagen nun anhand einer Modellrechnung eine andere Erklärung vor. Sie gehen davon aus, dass sternproduzierende Gaswolken im interstellaren Raum nicht isoliert, sondern in einem chaotischen Gasmedium eingebettet sind, das Wirbel in verschiedene Richtungen aufweist.

Wenn nun eine bereits rotierende Gaswolke auf ihrer Wanderung durch den Raum in ein Gebiet mit Gasströmungen gelangt, die sich in die entgegengesetzte Richtung drehen, kann sich in den äußeren Regionen eine verkehrt herum rotierende Scheibe bilden. Dort, wo sich die Kräfte noch die Waage halten, bildet sich eine Lücke zwischen den beiden gegenläufig rotierenden Scheiben. Das Material der inneren Scheibe wird vom Stern angezogen und lässt diesen anwachsen, während sich in der äußeren Scheibe Planeten bilden. Diese würden dann "andersrum" um den Stern laufen. Die weitere Umgebung sei bei der Stern- und Planetenentstehung somit "von größter Wichtigkeit", so Vorobyov. Denn die Art, wie eine Gaswolke außen mit ihrer Umgebung interagiert, könne den Charakter eines Planetensystems bestimmen.