Pfeilgiftfrösche kennen ihr Gebiet in- und auswendig. - © UniWien
Pfeilgiftfrösche kennen ihr Gebiet in- und auswendig. - © UniWien

Wien. Über den Orientierungssinn von Amphibien war bisher nicht viel bekannt. Wiener Forscher haben in einem Feldexperiment nun einige Besonderheiten der Pfeilgiftfrösche ausgemacht.

Setzt man die Tiere der Spezies "Allobates femoralis" ein paar hundert Meter von ihrem Territorium entfernt aus, kommen sie mithilfe ihres scheinbar detaillierten Wissens über das Gebiet sehr zielgerichtet wieder zurück. Finden sie sich hingegen in einer unbekannten Umgebung wieder, wissen sie nicht, wohin die Heimreise gehen könnte. Die Forscher werten dies als Indiz für eine ausgeprägte innere Landkarte.

In seinem Experiment wollte das Team um Andrius Pasukonis vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien herausfinden, ob sich die Tiere an unmittelbaren Umgebungsreizen oder übergeordneten Hinweisen, wie dem Magnetfeld oder dem Stand der Gestirne, orientieren. Dazu banden sie männlichen Fröschen im Regenwald von Französisch Guyana kleine Reflektoren für Radiowellen um, mit deren Hilfe sie die Bewegungen der Amphibien nachvollziehen konnten.

Im Gegensatz zu ihren Verwandten in der nördlichen Hemisphäre können sich die Tiere in den Tropen über das ganze Jahr fortpflanzen. Pfeilgiftfrösche legen ihre Eier an Land. Nach zwei bis drei Wochen ist es die Aufgabe der nur etwa zwei Zentimeter kleinen und zwei Gramm leichten Männchen, die Kaulquappen ins Wasser zu bringen. "Die laufen teilweise ein paar hundert Meter durch den Wald und tragen sie zu kleinsten Tümpeln", erklärt Max Ringler von der Universität Wien. Würden sie ihren gesamten Nachwuchs zur gleichen Wasserstelle bringen, wäre das nachteilig für dessen Überlebenschancen. Um die Kaulquappen verteilen zu können und nach Hause zu finden, müssen sich die Frösche also irgendwie im Wald zurechtfinden.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Frösche die Umgebung ihres Territoriums in- und auswendig kennen, berichten sie im Fachblatt "Biology Letters". Viele Verhaltensbiologen hätten Fröschen dies kognitive Leistung nicht zugetraut, sind die Forscher überzeugt. Der biologische Grund für die Entwicklung der Fähigkeit sei die Notwendigkeit des Kaulquappentransports.