Miami. Vorfahren des Menschen haben vermutlich bereits vor mindestens zehn Millionen Jahren Alkohol konsumiert. Zu diesem Resultat kommt eine Studie in den "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften (Pnas). Bisher nahmen viele Forscher an, dass Menschen Alkohol erst seit etwa 9000 Jahren konsumieren. Damals begann der Homo sapiens damit, Nahrungsmittel zu lagern und Fermentierungsprozesse gezielt zur Alkoholproduktion zu nutzen. Daraus wurde geschlossen, dass Alkoholismus beim modernen Menschen Ausdruck einer unvollständigen Genom-Anpassung ist: Da der Mensch erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit Ethanol zu sich nehme, sei der Körper noch nicht in der Lage, diesen verträglich abzubauen.

Das Team um den Biologen Matthew Carrigan vom Santa Fe College in Gainesville (US-Staat Florida) analysierte nun das Enzym ADH4 (Alkoholdehydrogenase 4), das am Alkoholabbau beteiligt ist. Anhand der Gene von 28 Säugetieren, darunter 17 Primaten, rekonstruierten die Forscher die Evolutionsgeschichte des Enzyms über einen Zeitraum von 70 Millionen Jahren. Die Studie deutet darauf hin, dass vor mindestens zehn Millionen Jahren eine einzelne genetische Mutation unsere Ahnen - damals lebte noch der letzte gemeinsame Vorfahr von Mensch, Schimpanse und Gorilla - in die Lage versetzte, Alkohol abzubauen. Dies bedeutete möglicherweise einen entscheidenden evolutionären Vorteil, denn damals befand sich die Erde in einem dramatischen klimatischen Umbruch. Als Nahrung diente damals nämlich vermehrt Fallobst, das tendenziell einen höheren Ethanolgehalt aufweist als vom Baum gepflückte Früchte.