Nicht nur Schaben vertilgen Essensreste. - © corbis/Nigel Cattlin
Nicht nur Schaben vertilgen Essensreste. - © corbis/Nigel Cattlin

Klosterneuburg/New York. Eingeschleppte Organismen können für etablierte Arten zur Gefahr werden. Für eine vermutlich in den 1970er Jahren aus der Schwarzmeerregion nach Europa gelangte Ameisenart, die Gartenameise "Lasius neglectus" - selbst ein invasiver Eindringling -, hat sich ein eingeschleppter Pilz als Schutzschild entpuppt, wie das Team um Sylvia Cremer vom IST Austria im Fachblatt "Proceedings B" der Royal Society berichtet. Der invasive Pilz "Laboulbenia" wächst auf der Ameise, gibt ihr ein Igel-artiges Aussehen und schützt sie vor einem für heimische Arten tödlichen Keim, so die Forscherin.

Pilz schützt Ameise


Seit den 1970er Jahren bedroht "Lasius neglectus" heimische Ameisenarten und scheint sich jetzt zusätzlich noch einen Überlebensvorteil geschaffen zu haben. Rund 160 Populationen des Eindringlings seien mittlerweile in Europa bekannt. Vier davon sind von dem aus Nordamerika stammenden Pilz befallen. Dort lebt er in einer Wirt-Symbionten-Beziehung.

Die in der Außenhaut der Ameise verankerten Fruchtkörper des "Laboulbenia"-Pilzes stehen wie Stacheln weg. Zwar hatten die befallenen Ameisen den Untersuchungen zufolge bei Nahrungsknappheit eine höhere Sterblichkeitsrate, sind allerdings vor einer weitverbreiteten, tödlichen Insektenkrankheit geschützt. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Pilz - "Metarhizium". Dieser dringt viel weiter in die Tiere ein und tötet seinen Wirt.

"Laboulbenia" hingegen animiert die Ameisen zu einer verstärkten Körperhygiene und stimuliert deren Immunsystem, wie die Forscher herausfanden.

Insekten mit Immungedächtnis


Ein weiterer Erfolg der IST-Austria-Forscher ist die Entdeckung eines Immungedächtnisses bei Insekten. Das bedeutet, dass ein Individuum, das zum zweiten Mal mit einem Krankheitserreger in Kontakt kommt, besser geschützt ist als beim Erstkontakt, berichtet Cremer im Fachblatt "Trend in Immunology". Dieses Immungedächtnis könne auch wie bei Wirbeltieren an die nächsten Generationen weitergegeben werden. Als Beispiel nennt die Wissenschafterin Hummeln, die in den Eiern antimikrobielle Substanzen mitgeben und damit die Nachkommen besser gegen Krankheitserreger schützen.

US-Forscher haben unterdessen die Aktivität von Insekten und anderen Krabblern auf den Straßen von New York City genauer unter die Lupe genommen. Sie scheinen als Straßenreiniger und Schädlingsbekämpfer eine nicht ganz unwesentliche Rolle zu spielen.

Allein auf den Mittelstreifen von Broadway und West Street schaffen die Gliederfüßer, zu denen Ameisen, Fliegen, aber auch Schaben zählen, Essensreste in einem Umfang von jährlich etwa 60.000 Hotdogs weg, berichten die Wissenschafter im Fachblatt "Global Change Biology". Der positive Effekt: Je mehr Essensreste die Tiere vertilgen, umso weniger bleibe für Ratten und Tauben. Dies könne die Art von Wirbeltieren begrenzen helfen, die Krankheiten auf den Menschen übertragen können. Urbanes Grünflächen-Management, das Ameisen vor Ratten begünstige, nutze somit der öffentlichen Gesundheit, stellen die Forscher fest.