Braunschweig/Graz. Gewünscht haben es sich die Forscher anders, gerechnet haben sie aber damit, und jetzt steht unumstößlich fest: Der Kern des Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko", vulgo "Tschuri", verfügt über kein eigenes Magnetfeld. Das ergaben Messungen der europäischen Raumsonde "Rosetta", berichten Forscher der Technischen Universität Braunschweig und des Instituts für Weltraumforschung der Akademie der Wissenschaften in Graz im Fachjournal "Science". "Wir haben über die aufgezeichnete Messzeit von 20 Stunden keine magnetischen Signaturen entdeckt", hielt Werner Magnes vom Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) im Gespräch mit der APA fest.

Doch auch das Fehlen des Magnetfelds ist ein Fortschritt, denn es entkräftet eine bisherige Theorie der Kometenentstehung.

Theorie widerlegt


Bisher hielten es Weltraumforscher für möglich, dass magnetische Kräfte in einer bestimmten Phase der Entstehung des Kometen eine ausschlaggebende Rolle gespielt haben. "Das hätten wir uns gut vorstellen können. Diese Theorie für das Wachstum von Kometen im Zentimeter- und Meterbereich kann man aber, solange kein weiterer Komet untersucht ist, ausschließen", sagte Hans-Ulrich Auster vom Institut für Geophysik und Extraterrestrische Physik der Technischen Universität Braunschweig.

Dass es nicht doch noch Felsblöcke mit einem stärkeren magnetischen Moment in einer weiteren Distanz zur beobachteten Region auf "Tschuri" gibt, schließt Auster aus: "Es wäre schon ein ganz dummer Zufall, wenn die Welt nebenan ganz anders wäre."

Der Geophysiker stellt die Ergebnisse der jüngsten Auswertungen der Magnetfeldvermessungen des Kometen bei der diese Woche laufenden Generalversammlung der "European Geosciences Union" (EGU) in Wien vor.