Wien. Zier- und Speisekarpfen sind auch in Österreich von einer besonderen Form der Schlafkrankheit betroffen. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität wiesen den lange Zeit nur in Japan bekannten "Carp Edema" oder "Koi sleep disease Virus" (CEV/KSDV) nun erstmals auch bei heimischen Tieren nach. Vermehrtes Karpfensterben könnte zum Teil auch dadurch verursacht werden.

Die in den 1970er-Jahren in Japan aufgetretene Krankheit macht die Fische träge und schläfrig, sie liegen meist reglos am Boden des Beckens und verhalten sich apathisch. Typische Symptome sind auch eingefallene Augen, Hautveränderungen und angeschwollene Kiemen. Bei schweren Verläufen wird das Kiemengewebe so stark beeinträchtigt, dass die Fische sozusagen schwer atmen. Besonders bedenklich: In bis zu 80 Prozent der Fälle endet die Infektion tödlich, heißt es am Dienstag in einer Aussendung der Uni.

Die Erreger kamen mit den Kois

Den Sprung nach Europa schaffte die Krankheit schon vor einiger Zeit. Verantwortlich dafür ist vermutlich der weltweite Handel mit den japanischen Zierkarpfen namens "Koi". Eva Lewisch und ihre Kollegen von der Klinischen Abteilung für Fischmedizin diagnostizierten die Krankheit nun auch bei Kois und Speisekarpfen in Österreich und veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal "Transboundary and Emerging Diseases".

Erkennen konnten sie das allerdings erst mit molekularbiologischen Untersuchungen, nachdem herkömmliche Untersuchungsmethoden versagten. "Um welchen Erreger es sich tatsächlich handelt, ist noch nicht vollkommen geklärt. Elektronenmikroskopische Aufnahmen deuten jedoch darauf hin, dass es sich bei dem Carp Edema Virus um ein pockenähnliches Virus handeln könnte", so Lewisch.

Die Verbreitung sei möglicherweise bereits relativ weit fortgeschritten. Die Schlafkrankheit könnte auch eine Rolle beim vermehrt beobachteten Karpfensterben im Frühjahr spielen. Ob es regionale Unterschiede gibt, könne man noch nicht sagen, erklärte die Forscherin der APA.

Zu einem Ausbruch kommt es wahrscheinlich durch belastende Umweltfaktoren wie kritische Temperaturen oder Stress. In Europa leben Karpfen bei sieben bis 15 Grad Celsius Wassertemperatur. In Japan liegt die Wassertemperatur in den Koi-Teichen weit höher. Offensichtlich erkranken die Fische in Europa also bei niedrigeren Temperaturen als Koi in Asien. Das Virus habe sich scheinbar an europäische Bedingungen angepasst.

(S E R V I C E - Die Publikartion im Internet: http://go.apa.at/QESJvRKg)