Für Kinder liegt das Risiko, wie Mutter oder Vater Adipositas zu entwickeln, bei 40 Prozent. - © Corbis/Siteman
Für Kinder liegt das Risiko, wie Mutter oder Vater Adipositas zu entwickeln, bei 40 Prozent. - © Corbis/Siteman

Wien. Essen sie in der Öffentlichkeit, werden sie schief angesehen. Stellen sie sich, etwa beim Sport, ungeschickt an, werden sie ausgelacht. Und nach wie vor werden sie zur Belustigung anderer in Mülltonnen gesteckt. Mit Realitäten wie diesen ist so manch Übergewichtiger konfrontiert. Verhöhnung und Diskriminierung finden täglich statt - sowohl unter Kindern und Jugendlichen als auch unter Erwachsenen, berichtete am Donnerstag die Psychologin und Adipositas-Expertin Elisabeth Ardelt-Gattinger von der Universität Salzburg.

Doch der Fettleibigkeit Herr zu werden, scheint schwieriger zu sein, als oftmals suggeriert. "Wir haben gelernt, dass man abnimmt, wenn man sein Bewegungs- und Ernährungsverhalten umstellt", betonte Karin Schindler, Ernährungswissenschafterin an der MedUni Wien. Doch bei morbider Adipositas, wie die krankhafte Fettsucht ab einem Body-Mass-Index von 40 bezeichnet wird, stimme das nur bedingt.

Bariatrische Chirurgie


Der Lösungsansatz der Medizin lautet in Fällen wie diesen bariatrische Chirurgie. Magenband oder Magenbypass sollen helfen, nach vielen erfolglosen und frustrierenden Diät-Versuchen zur gewünschten Gewichtsreduktion zu gelangen. Die morbide Adipositas betrifft immerhin 15 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen. Bei Kindern hat sich die Fettleibigkeit seit dem Jahr 2000 verdreifacht.

"Extremes Übergewicht ist eine schwere Erkrankung", stellte der Diabetologe Bernhard Ludvik von der Wiener Rudolfstiftung fest. Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen würden zu Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen führen. Konservative Strategien wie Ernährungsumstellung, vermehrte körperliche Aktivität und auch medikamentöse Interventionen würden häufig versagen. Eine Operation könnte hier Abhilfe schaffen.

Doch oftmals seien die Betroffenen selbst zu wenig informiert, ortet der Chirurg Karl Miller, Präsident des im August in Wien stattfindenden Kongresses für Adipositaschirurgie IFSO (International Federation for the Surgery of Obesity) Mängel in der Betreuung durch Hausärzte. Die Patientenströme würden heutzutage vorwiegend über das Internet gesteuert. Nur zehn Prozent der Betroffenen würden vom Allgemeinmediziner zum Spezialisten überwiesen. Dabei könnte dieser in der Beratung einen wichtigen Pfeiler darstellen. Vor allem in der Nachbetreuung, betonten die Experten. Die Patienten "brauchen definierte und lebenslange Begleitung".