Wien. Ebola scheint verschwunden zu sein - allerdings nur von der medialen Bildfläche. Denn in Westafrika ist die Epidemie noch immer nicht ausgestanden, wiewohl nur noch wenige Fälle registriert werden. Dennoch schlägt die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) Alarm und warnt im Fachblatt "Nature" vor einem nachlassenden Kampf gegen das gefürchtete und häufig todbringende Virus.

"Die Anstrengungen müssen international verdoppelt werden", schreibt MSF-Präsidentin Joanne Liu in einem Kommentar. Die Epidemie sei noch lange nicht unter Kontrolle und könnte aufgrund von allgemeiner Ermüdung und nachlassender Konzentration wieder stärker aufflammen. "Die Vereinten Nationen, ausländische Hilfstruppen und Nichtregierungsorganisationen sollten sich noch nicht aus Westafrika zurückziehen", appelliert Liu. Die betroffenen Staaten müssten mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft die medizinische Grundversorgung neu aufbauen.

Weil die Gesundheitssysteme in den von Ebola betroffenen Gebieten mittlerweile praktisch zerstört seien, könnten nun andere Krankheiten wie Masern oder Malaria wieder verstärkt Fuß fassen.

Ausbruch verhindern

Es gibt allerdings auch gute Nachrichten: Erstmals hat der experimentelle Impfstoff rVSV-ZEBOV zu 100 Prozent vor der Ansteckung mit dem Virus geschützt, wie eine Studie in "Lancet" zeigt. Als Vakzine - ein Lebendimpfstoff - wird ein abgeschwächtes, gentechnisch verändertes Vesikuläres Stomatitis-Virus (VSV), das ein Oberflächenprotein des Zaire-Ebola-Virus trägt, verabreicht. Dieses regt das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern an. Rund 4000 Menschen nahmen seit April in Guinea an den Versuchen teil.

Und auch eine vorklinische Versuchsreihe an Primaten zeigt den Erfolg dieser Impfstoffgattung auf. Demnach gewähre VSV-EBOV gegen den westafrikanischen Ebolastamm bei einer Gabe sieben Tagen vor einer Infektion völligen Schutz, wie das US-Forscherteam um Andrea Marzi vom National Institute of Health in Hamilton im Fachmagazin "Science" berichtet. Teilweise werde ein Ausbruch auch bei einer Gabe drei Tage, bevor es zur Infektion kommt, blockiert.

Die Wissenschafter vermuten, dass der Impfstoff eine starke angeborene Immunantwort provoziert, die die Virusverbreitung im Körper gerade in der kritischen Phase, bis der Körper Antikörper bildet, reduziert. Die Arbeit zeigt das Potenzial dieser Vakzine für eine rasche Entwicklung, um weitere künftige Ausbrüche verhindern zu können. Ein allgemeiner wirksamer vorbeugender Impfschutz scheint also in greifbarer Nähe zu sein.

Die letzte Ebola-Epidemie in Westafrika hatte mehr als 11.200 Todesopfer zur Folge, fast 28.000 Menschen hatten sich infiziert. Hauptbetroffen sind nach wie vor die Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia. Letzteres war erst Anfang Mai für ebolafrei erklärt worden.

Dosierung wird geprüft

Eine zuletzt publizierte, in Genf durchgeführte, Dosierungsstudie des experimentellen Impfstoffes VSV-ZEBOV zeigte, dass die derzeit verwendete Dosis in Höhe von 300.000 injizierten Impfpartikeln trotz einiger Nebenwirkungen wie Fieber, Schmerzen, Gelenk- und Hautentzündungen nicht reduziert werden sollte. Bei einer tieferen Dosis würden klar viel weniger Antikörper gebildet. Eine weitere Studie soll zeigen, wie lange der Impfschutz anhält.