Lech. Das Philosophicum Lech 2015 zum Thema "Neue Menschen!" beleuchtete Versuche zur Verbesserung des Menschen - etwa durch medizinische, genetische und technische Eingriffe. Das könnte zu Cyborgs führen, Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine. Der Theologe Dietmar Mieth, der in Lech das Schlussreferat zum Thema "Zwischen Perfektionierung und Meliorisierung" hielt, sprach über diese Themen mit der "Wiener Zeitung".

"Wiener Zeitung": Hat dieses Philosophicum Ihrer Meinung nach ein Thema zu wenig behandelt?

Dietmar Mieth: Zum Beispiel die Machtfrage. Wenn das Leben oder der Mensch designt wird - wo kommt das denn her? Machen das die Philosophen? Ganz bestimmt nicht. Auch nicht die Kirchen, auch nicht die Politiker. Es kommt aus dem Freiraum von Wissenschaft, Technik und Ökonomie und ihrer Wechselwirkung.

Andere Referenten sprachen meist von Enhancement, Sie von Meliorisierung. Warum?

Der Begriff Enhancement ist in der Debatte stärker biologisiert. Das wollte ich vermeiden. Ich habe auf alte lateinische Traditionen zurückgegriffen, wo man vom Optimum spricht und vom esse melius, also vom Bessersein, das jeder an sich selbst zu vollziehen versucht. Da steckt mehr von religiöser Freiheit oder moralischer Selbstbestimmung drin. Heute, denke ich, dass die Selbstbestimmung oft am Ende einer Skala auftaucht, die vorherbestimmt ist von bestimmten Machtfaktoren, dass die Menschen sich oft täuschen, wenn sie glauben, sie vollziehen jetzt ihre Selbstbestimmung. Das ist in diesem großen traditionellen Spielraum, den ich sehe, nicht der Fall, da wird Menschen ein Angebot gemacht, sich selbst zu bilden, und sich durch diese Bildung zu verbessern.

Sind neue Methoden zur Perfektionierung des Menschen mit dem christlichen Menschenbild noch vereinbar? Was wäre zulässig?

Der Schwerpunkt des christlichen Menschenbildes liegt in der unbedingten Annahme jeder Form des Daseins ohne eine bestimmte Planung des So-Seins, die gleichsam über die Freiheit dieses Menschen hinausgeht.

Es gibt Fälle, in denen man sicher eher positiv argumentieren wird. Möglichkeiten, Menschen in ihren Krankheiten besser zu behandeln, soweit dies tatsächlich ohne negative Begleitumstände zu verwirklichen ist, würde ich begrüßen. In diesem Sinn würde ich mich niemals gegen einen biologisch-medizinischen Fortschritt wenden, nur dann, wenn es darum geht, zu designen. Ich kenne die biomedizinischen Debatten, wonach die Medizin individualisiert werden muss. Das heißt, ich muss genetisch entschlüsselt werden, und dann kann man mit mir entsprechend von der Geburt bis zur Bahre umgehen. Das heißt medizinisch umgehen, aber auch versicherungstechnisch umgehen, und damit werde ich zu einer planbaren Existenz. Die scheinbare Individualisierung trägt auf ihrem Rücken eine Objektivierung meiner Person mit sich. Die Möglichkeit, dass ich als Person zu meinem Schicksal noch Stellung nehme, wird reduziert.