Sie sind also eher für das sogenannte kompensatorische Enhancement, wonach Benachteiligte diese Möglichkeiten nutzen können...

...wenn es im Hinblick auf seine Folgen gut beobachtet ist. Es soll ja nicht nur Erfolg erbringen, sondern auch möglichst ohne die befürchteten Nebenwirkungen.

Und die Freiheit des Individuums soll gewahrt bleiben .. .

Dass der Mensch noch Person ist. Foucault hat gesagt, je mehr der Mensch sich objektiviert, vergegenständlicht, umso weniger ist er Subjekt. Er verschwindet quasi als Subjekt, er ist nur noch ein Planungsobjekt, und in dieser Planungsstrategie ist er nur noch als derjenige vorgesehen, der sagt: "Why not?" und "Let’s have it".

Was meint die Bibel, wenn sie vom vollkommenen Menschen spricht?

Jesus sagte: Seid vollkommen wie euer Vater im Himmel. Vollkommen heißt griechisch: telaios, das erinnert an telos, das Ende. Das heißt, sie sollen die endzeitliche Gestalt gewinnen. Es ist ein Stück Apokalyptik, die wir bei Paulus auch haben, wenn er sagt, wir sollen ein neues Geschöpf werden. Hier wird davon ausgegangen, dass die Welt ein relativ rasches Ende findet und man sich auf dieses Ende vorbereitet. Das heißt zum Beispiel, dass man nicht sündigt. Dieses apokalyptische Motiv finde ich heute bei Leuten, die für das Enhancement sprechen, auch, dass man etwa Umweltkatastrophen nur verhindern kann, wenn man den Menschen verbessert. In säkularisierter Form kommt hier ein religiös-apokalyptisches Motiv wieder.

Zur Person

Dietmar

Mieth,

geboren 1940 in Berlin, ist emeritierter Professor für Theologische Ethik und Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen.