Bern. (sda) Der Komet Tschuri bereitete den Berner Wissenschaftern, die mit der Untersuchung betraut sein, eine Überraschung. Die Wissenschafter analysieren die Kometengase mithilfe des Massenspektrometers Rosina. Das zeigte nun, neben den erwarteten Spitzenwerten für Schwefel und Methanol auch O2-Moleküle an: Tschuri hat Sauerstoff, und zwar, nach Wasser, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid, als vierthäufigstes Gas in der Atmosphäre des Kometen ist. Bisher wurde angenommen, der chemisch stark reaktive Sauerstoff müsse sich im frühen Sonnensystem mit dem Wasserstoff zu Wasser verbunden haben.

"Wir hätten nie gedacht, dass Sauerstoff Jahrmilliarden überleben kann, ohne sich mit anderen Stoffen zu verbinden", sagt Projektleiterin Kathrin Altwegg in einem Communiqué der Uni Bern. Molekularer Sauerstoff ist sehr schwierig mit Teleskopen zu entdecken. Das erklärt, warum dieses Molekül nicht schon bei anderen Kometen beobachtet wurde.

Kathrin Altwegg machte eine weitere erstaunliche Feststellung: "Das Verhältnis von Wasser zu Sauerstoff änderte sich weder mit dem Ort auf dem Kometen noch mit der Zeit", erklärte sie. "Es gibt also eine stabile Korrelation zwischen Wasser und Sauerstoff."

Für Tschuri nehmen die Forscher an, der Sauerstoff sei schon vor der Bildung des Sonnensystems entstanden und nicht weiter verarbeitet worden. Somit ist laut Uni Bern zumindest ein großer Teil des Kometenmaterials älter als unser Sonnensystem.