Eine 24-Stunden-Messung mittels Mini-EKG, das die Intervalle aufzeichnet, gibt daher nicht nur Auskunft über die geistige und körperliche Performance eines Menschen, sondern auch, ob die Reparatur- und Heilungsprozesse, bis hin zur täglichen DNA-Reparatur, stattfinden. "Mit der HRV kann man das objektiv messen, dokumentieren und vergleichen", betont Lohninger. Zum besseren Verständnis für den Patienten entwickelte Lohninger eine Software-Lösung, die das HRV-Diagramm als loderndes Feuer darstellt - als Lebensfeuer. Hierbei gilt: je bunter, desto besser.

Autonom Health hat bereits mehr als 25.000 Messungen in seiner Datenbank, mit denen sich Richtwerte vorgeben lassen. Hierbei kann nicht nur zwischen gesund und krank beziehungsweise überlastet unterschieden werden, sondern auch zwischen Mann und Frau, wie Lohninger betont. Denn die Ergebnisse der Lebensstilmessungen würden belegen, dass Frauenherzen tatsächlich anders schlagen. Nicht nur, dass das weibliche Organ kleiner und feiner ist, schlägt es noch dazu etwa vier Schläge pro Minute schneller als jenes der Männer. Und das über die gesamte Lebensspanne hindurch.

Frauenherzen schlagen anders


Geht es nach der HRV, dann zeigt sich bei Männern zwar mehr Power und Leistungsbereitschaft, bei Frauen allerdings eine bessere Regenerationsfähigkeit - und das sowohl am Tag als auch während der Nacht. "Frauen haben einen besseren Parasympathikus, der es ihnen ermöglicht, ökonomischer zu leben. Aus diesem Grund sind sie", so Lohninger, "auch belastbarer und besitzen damit mehr Ausdauer als Männer." Möglicherweise könnte dieser Vagus-Nerv (Parasympathikus) eine weitere Erklärung dafür sein, dass die Frauen im Durchschnitt länger leben.

HRV-Messungen kommen häufig auch im Fitness-Coaching zum Einsatz, ebenso aber im Leistungssport als Trainingsüberwachung. Immer mehr finden Firmenleitungen daran Gefallen, den Gesundheitsstatus ihres Unternehmens auf diese Art und Weise zu bewerten. Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements können HRV-Messungen von Mitarbeitern genutzt werden, um Mängel aufzuzeigen und gesundheitsfördernde Initiativen zu starten. Das Einverständnis von Mitarbeitern und Betriebsrat sei hier Voraussetzung, die Daten würden anonym bleiben, die Auswertungen seien nur jedem Einzelnen zugänglich, versichert der Experte. Hier gilt es, zum Schutz der Mitarbeiter, ganz strikt für Datensicherheit zu sorgen.

"Jeder ist anders." Deshalb geht es Lohninger auch um personalisierte Gesundheit, bei der jeder Einzelne mitbestimmen soll. Das laienverständliche HRV-Bild führt den Patienten die Gesundheitsfakten deutlich vor Augen und ermöglicht individuelle Maßnahmen. Vermutlich wird es nicht mehr lange bis zum vermehrten Einsatz im privaten Bereich dauern. Schon jetzt zählen Fitnessarmbänder unsere Schritte und messen unseren Puls. Die Herzratenvariabilität ist dann nur ein kleiner Entwicklungsschritt weiter.