Wien. Lebt man in einer Patchwork-Familie oder ist Alleinerzieher, fühlt man sich öfter gesundheitlich beeinträchtigt. Das zeigt eine Analyse von Daten aus dem "Generations and Gender Survey" (GGS) für Österreich, die Demographinnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) bei einer Tagung in Wien präsentieren. Erstmals wurde damit die Situation der Eltern beleuchtet. Bisher hat sich die Stieffamilien-Forschung vor allem angesehen, wie es den Kindern geht.

In ihrer Studie haben Isabella Buber-Ennser und Doris Hanappi vom Institut für Demographie (VID) der ÖAW analysiert, wie die Lebensformen im Haushalt beziehungsweise die partnerschaftliche Situation mit der Gesundheit zusammenhängt. Unterschieden wurde dabei zwischen jungen Erwachsenen, die noch im elterlichen Haushalt leben, kinderlosen Personen, die in einer Partnerschaft leben, Eltern, die mit der Mutter oder dem Vater ihrer Kinder zusammenleben, den großteils weiblichen Alleinerzieherinnen und Eltern, die in einem Patchwork-Kontext leben.

"Überraschend war für uns, dass Erwachsene, die in einem solchen Patchwork-Kontext leben, öfter gesundheitliche Probleme angaben", erklärt Buber-Ennser. 14 Prozent der Österreicher in einer solchen Konstellation erklärten sich gesundheitlich beeinträchtigt, während das nur etwa neun Prozent der anderen Elterngruppe berichteten.

"Wir haben aber auch gesehen, dass es Bildungsunterschiede gibt", so die Forscherin. Unter höher Gebildeten verschwand der Unterschied. Die Rate lag durchgehend bei lediglich sechs Prozent. Bei niedriger Gebildeten gaben 16 Prozent der Patchwork-Eltern an, unter gesundheitlichen Problemen zu leiden, während das "nur" auf zehn Prozent der Eltern in "klassischen" Familien zutraf. "Daraus lässt sich schließen, dass höher Gebildete einfach mehr Ressourcen haben, um das möglicherweise schwierigere und spannungsreichere Leben in einer Patchwork-Familie zu meistern", erklärt Buber-Ennser.

Nicht überraschend


Unter den Alleinerzieherinnen berichteten sogar 18 Prozent über Gesundheitsprobleme - im Vergleich zu zwölf Prozent mit Partner im Haushalt. Das sei nicht überraschend, da unter ihnen die Wahrscheinlichkeit einer ökonomischen Benachteiligung höher ist und Gesundheit damit stark zusammenhängt.

Beim Blick auf finanziell besser gestellte Alleinerzieherinnen "sahen wir, dass der Effekt schwächer wird. Das heißt, vieles liegt an der Kombination Alleinerzieherin mit finanziellen Problemen, was wiederum negativ auf die Gesundheit wirkt", erklärte die Demographin. Besser wird die Situation tendenziell, wenn die Befragten in einer Partnerschaft lebten, auch wenn sie keinen gemeinsamen Haushalt führten.

Insgesamt sahen sich zwölf Prozent der Frauen in keiner guten gesundheitlichen Position. Unter den Männern gaben das dagegen nur sieben Prozent an.

Im Rahmen der GGS-Konferenz ("3rd Generations and Gender Conference") diskutierten Wissenschafter über die in knapp 20 Ländern erhobenen umfangreichen Daten zu den Themen Familiengründung, Partnerschaft, Zusammenleben mit Kindern oder über Generationen hinweg, Einkommen, Bildung oder Gesundheit. Im Abstand von vier Jahren werden hier Frauen und Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren befragt.