Wien. (gral) Die meisten Menschen denken bei Schwarzen Löchern an ein riesiges Vakuum, das alles verschlingt, was in seine Nähe kommt. Die supermassiven Schwarzen Löcher im Zentrum von Galaxien sind aber mehr als das: Sie sind vielmehr kosmische Motoren, die Energie von einfallender Materie in Strahlung verwandeln, die jene aller umliegenden Sterne übertrifft.

Wenn das Schwarze Loch rotiert, kann es Strahlung erzeugen, die über Tausende von Lichtjahren anhält und Galaxien formt. Angetrieben werden sie dabei offenbar durch ein magnetisches Feld. Erstmals haben US-Astronomen am Rande eines solchen Schwarzen Loches, dem Ereignishorizont, im Zentrum der Milchstraße magnetische Strahlung entdeckt. Die Forscher um Michael Johnson vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics berichtet über seine Beobachtungen mit dem Event Horizon Telescope in "Science". Bei dem Objekt handelt es sich um Sagittarius A-Stern von einer Größe von etwa vier Sonnenmassen.

Beobachtungsplattform


Bis jetzt wurde von Wissenschaftern zwar vermutet, dass ein solches Magnetfeld existiert, doch niemand hatte es tatsächlich gesehen. "Unsere Daten bringen Jahrzehnte theoretischer Arbeit auf eine solide Wissensbasis", betont Shep Doeleman vom MIT Haystack Observatory.

Das Event Horizon Telescope ist ein virtuelles Teleskop in der Größe der Erde: Es ist eine Zusammenschaltung mehrerer Radioteleskope, die gemeinsam eine riesige Beobachtungsplattform bieten. Dieses riesige Projekt "funktioniert nur dann, wenn ein globales Team an Wissenschaftern zusammenarbeitet", betont Doeleman. "Mit den neuen Erkenntnissen ist das EHT-Team nun einen Schritt weiter, ein zentrales Paradoxon der Astronomie zu lösen: Warum strahlen Schwarze Löcher so stark?"