Zürich/Wien. Konflikte zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen gehen häufig auf einen Mangel an Mitgefühl oder Empathie für den sogenannten "Fremden" zurück. Mehr Mitgefühl für Mitglieder anderer Gruppierungen könnte demnach ein friedliches Miteinander fördern.

Eine Untersuchung der Universität Zürich zeigt nun, dass man diese Empathiefähigkeit lernen kann. Nötig dafür sind überraschend positive Erfahrungen mit Fremden, die im Gehirn einen entsprechenden Lerneffekt auslösen. Wie die Forscher um Grit Hein zeigen konnten, reichen sogar schon wenig positive Lernerfahrungen aus, um empathischer zu werden.

Für einen Test waren die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt. Ihnen wurden schmerzhafte Schocks am Handrücken zuteil. Sie machten dann aber die Erfahrung, dass ein Mitglied der eigenen oder der fremden Gruppe Geld bezahlte, um so den Schmerz für sie zu verhindern. Bei all den Einflüssen wurden die Hirnaktivitäten der Versuchsteilnehmer gemessen.

Hirnaktivität nimmt zu


Zu Beginn der Studie löste der Schmerz des Fremden beim Beobachter schwächere empathische Hirnaktivierungen aus, als wenn ein Mitglied der eigenen Gruppe betroffen war. Der Einfluss durch die positive Erfahrung mit einer Person der Fremdgruppe führte zu einer deutlichen Erhöhung der neuronalen Reaktion, wenn einer anderen Person der Fremdgruppe Schmerz zugefügt wurde.

Die Forscher schließen daraus, dass die erhöhte empathische Hirnreaktion für die Fremdgruppe durch ein neuronales Lernsignal getrieben wird, das durch die überraschenden positiven Erfahrungen mit einem Fremden entsteht. Der Versuch zeigt allerdings auch, dass die Empathie der gesamten Gruppe zunimmt und damit offenbar auf andere übertragbar ist.