Wien. (est) Schon in der Steinzeit gab es unterschiedliche Gesellschaftsformen. Ein in Spanien entdecktes Grab lässt auf eine homogene, friedliche Gemeinschaft schließen, die vor etwa 5700 Jahren lebte. 7000 Jahre alte Knochenfunde aus Kenia deuten hingegen auf ein steinzeitliches Massaker hin. Sie gelten als rarer Beleg für Gewalt zwischen Jäger-und-Sammler-Gruppen.

Das Kollektivgrab von Alto de Reinsoso in Nordspanien wurde 2006/07 entdeckt und ausgegraben. Forscher um den Anthropologen Kurt Alt von der Danube Private University in Krems haben die Überreste der mindestens 47 Personen untersucht, die hier in zwei Schichten bestattet wurden. Genetische Analysen der Knochenfunde zeigen Jugendliche und Erwachsene aus drei Generationen, die in einem Zeitraum von etwa 100 Jahren starben, berichten die Forscher in "Plos One". In der unteren Schicht lagen Verwandte und Familienmitglieder, ihre Skelette seien weitgehend intakt. Jene der oberen Schicht seien hingegen manipuliert. Neun von 30 Individuen fehlt der Schädel, der Grund könnte Ahnen-Verehrung sein.

Untersuchungen des Verhältnisses der Strontium-Isotopen im Zahnschmelz, die sich ab der Kindheit nicht verändern und Hinweise auf den Ort des Aufwachsens geben, zeigen, dass ein Großteil der Personen aus der Nähe stammte. Die Menschen lebten auf 800 Meter Höhe von Landwirtschaft. Analysen von Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotopen legen eine getreidehaltige Ernährung nahe, und zwar bei allen, was ein Indiz für eine homogene Gruppe sei. "Es war eine friedliche Gemeinschaft", sagt Alt zur Austria Presse Agentur. Es gebe keine Hinweise auf gewaltsam zugefügte Verletzungen.

Einen entgegengesetzten Befund stellen britische Forscher einem Grabfund in Kenia aus. Die Knochen einer Hochschwangeren, deren Hände und Füße möglicherweise zusammengebunden waren, sowie jene von sechs Kindern weisen auf ein Gemetzel hin, berichten die Wissenschafter in "Nature". Zehn Skelette wiesen klare Zeichen von heftiger, wohl sofort tödlicher Gewalt auf. Eingeschlagene Schädel und Jochbeine, gebrochene Rippen, zertrümmerte Hand- und Kniegelenke und wohl von steinernen Spitzen herrührende Verletzungen zählten dazu.

Die Getöteten seien nicht begraben worden, berichtet das Team um Marta Mirazon Lahr von der Universität Cambridge. Mehrere seien in eine Lagune des Sees gefallen oder gestoßen worden. Wahrscheinlich sei eine Gruppe des Jäger-und-Sammler-Volkes am Ufer von einem rivalisierenden Clan angegriffen worden.

Besonders rar sind Belege für Gewalt zwischen verschiedenen Gruppen von Jäger-und-Sammler-Gesellschaften. Der Rückschluss ist, dass kriegerische Auseinandersetzungen nicht erst bei sesshaften Ackerbau-Gesellschaften begann.