Krank ? In Afrika fehlen für genaue Diagnosen oft Ärzte. - © Sitton/Corbis
Krank ? In Afrika fehlen für genaue Diagnosen oft Ärzte. - © Sitton/Corbis

Wien. Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Entwicklungsland, in einem ländlichen Gebiet fernab der Hauptstadt. Sie sind krank, so viel kann Ihnen der praktische Arzt in Ihrer Gegend sagen. Für eine genaue Diagnose braucht es allerdings Tests, die teuer sind und für die er nicht das Equipment besitzt. Sie haben nicht viel, könnten aber im Notfall ein paar Dinge verkaufen, um ein bisschen Geld für die Tests zusammenzubringen, aber Sie sind verunsichert.

Während in Europa die meisten Menschen in dieser Situation eine Zweitmeinung einholen könnten, müssen Millionen Patienten in Entwicklungsländern Roulette mit ihrer Gesundheit spielen, denn es gibt kaum Fachärzte in ihrer Nähe. Kenia etwa ist eines der am meisten entwickelten afrikanischen Länder - viele internationale Organisationen und Konzerne haben sich dort angesiedelt. Trotzdem ist der Talentepool bei Ärzten sehr klein. Die wenigen, die nach ihrer Ausbildung im Land bleiben, lassen sich zumeist in Nairobi nieder. Jedoch leben 75 Prozent der Bevölkerung außerhalb der Städte und haben weder zur benötigten Behandlung noch zu den richtigen Informationen Zugang, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können.

Das ist ungerecht, fand der in Indien geborene Mediziner Pratap Kumar, als er sich in Kenia ansiedelte. Der Neurowissenschafter und Gesundheitsökonom entwickelte Health-E-Net, ein digitales Netzwerk für Ärzte, das diese Ungleichheit reduzieren soll. "Unsere Website kann jedem Patienten in Kenia, ob er reich oder arm ist, ob er in der Stadt lebt oder auf dem Land, Zugang zu guten Ärzten verschaffen. So werden die Patienten ermächtigt, bessere Entscheidungen für sich zu treffen", erklärt er.

Man könne damit Information kombinieren und dem Patienten Auskunft darüber geben, welche Tests wirklich wichtig sind und wo er einsparen kann, erklärt Kumar. Gleichzeitig könne man ihm sagen, welche Untersuchungen er in seiner Nähe bekommen kann und wie lange die Wartezeit ist. "Das funktioniert vor allem bei Krebs sehr gut. Für HIV, Malaria und Infektionskrankheiten gibt es auch in Entwicklungsländern oft mehr Geld und eine ganz gute Erstversorgung, aber Onkologen sind rar", sagt der Mediziner.

Besonders bei Krankheiten, von denen sehr viele Menschen betroffen sind, hat Afrika Lücken im Bereich der Behandlung. Für Kenja nennt Kumar Gebärmutterhalskrebs als Beispiel. "Spricht man in den beiden wichtigsten staatlichen Krankenhäusern mit den Patientinnen, kommen 90 Prozent von ihnen dort erst hin, wenn ihr Krebs in einem späten Stadium ist, in dem man nicht mehr viel tun kann, um zu heilen." Zwar bekamen die meisten Patientinnen die Diagnose bereits vor Jahren. "Sie suchen aber keine Behandlung, weil sie nicht wissen, wohin sie dafür gehen sollen, was es kostet und wo sie in der Zwischenzeit ihre Kinder lassen sollten. Das sind alles Mütter in ihren Vierzigern und diese Dinge sind für sie schwierig. Wir können jedenfalls mit Fragen, wie ob eine Heilung möglich ist und wie hoch die Kosten sind, helfen", so Kumar.