Wien. Üblicherweise beseitigen Fresszellen (Makrophagen) des Immunsystems Eindringlinge. Doch für Legionella-Bakterien sind sie ein trautes Heim, wo sie sich vermehren. Der österreichische Mikrobiologe Thomas Naderer hat mit Kollegen nun ein Mittel gefunden, die befallene Makrophagen zum Selbstmord treiben und dabei die Erreger mit in den Tod reißen.

Legionellen können sich besonders trickreich vor dem Immunsystem verstecken und nutzen es sogar für ihre Zwecke aus. In den Fresszellen können sie nicht nur wachsen und gedeihen, sondern sie sind auch vor Medikamenten wie Antibiotika recht gut geschützt. Die Sterberate von Betroffenen liegt trotz moderner Medizin immer noch bei über zehn Prozent.

Naderer, der an der Monash University in Clayton (Australien) forscht, hat nun eine Schwachstelle dieser Bakterien gefunden und einen Trick entwickelt, um sie indirekt mit Medikamenten zu bekämpfen. In den Makrophagen gibt es nämlich zwei Eiweißstoffe, die für das Überleben der Immunzellen notwendig sind. Sie heißen Mcl1 und BclXL. Fehlt einer dieser beiden, hat dies keine sichtbaren Auswirkungen. Sind allerdings beide weg, begehen die Zellen kontrollierten Selbstmord, die Apoptose.

Legionärskrankheit


"Wenn Legionellen Makrophagen infizieren, wird Mcl1 nach zwei Stunden immer weniger und ist nach sechs Stunden kaum mehr zu finden", so Naderer. In dieser Zeit könne man mit Mitteln, die BclXL ausschalten, den Selbstmord der Makrophagen auslösen. Legionellen würden dann nämlich noch weitere zwölf Stunden benötigen, um sich ausreichend zu vermehren. Sie gehen damit also gleichfalls zugrunde. Für nicht befallene Fresszellen haben BclXL-Blocker aber keine Auswirkung, denn sie werden ja weiterhin von dem Eiweißstoff Mcl1 am Leben gehalten.

Die Mittel dafür gibt es bereits - sie wurden für die Krebstherapie entwickelt und heißen ABT-263 und ABT-199. In Versuchen mit Mäusen konnten Naderer und seine Kollegen bereits die therapeutischen Möglichkeiten ihres Ansatzes zeigen.

Die Infektion durch Legionellen, die sogenannte Legionellose oder Legionärskrankheit, ist weltweit verbreitet. Die Erreger finden sich in natürlichen Gewässern, Trinkwassersystemen, Klimaanlagen und Luftbefeuchtern. Die Infektion wird durch die Inhalation des erregerhalten Aerosols ausgelöst. Die Krankheit, die erstmals im Jahr 1976 als eigenständige Erkrankung diagnostiziert worden war, betrifft meistens Menschen über 50 Jahre und äußerst sich in Symptomen ähnlich einer Lungenentzündung.

Im Wasser sterben Legionellen dann ab, wenn sie über 60 Grad Celsius erhitzt werden.