Wien. Erstmals haben Forscher mit modernen bildgebenden Verfahren untersucht, was unter LSD-Einwirkung im Gehirn passiert. Dabei haben sie spannende Parallelen zu Erfahrensberichten gefunden - nicht nur aktueller, sondern auch vergangener. Denn schon Schriftsteller wie Aldous Huxley, Charles Beaudelaire und Ernst Jünger experimentierten mit Drogen, was sich in einigen Erzählungen widerspiegelt. Huxley wurde auch zum Namensgeber für die Substanzen, denn sie sollten "psychedelisch" sein.

LSD (Lysergsäurediethylamid) war im Jahr 1938 vom Schweizer Chemiker Albert Hofmann erstmals synthetisiert worden. In den 50er und 60er Jahren machte die Droge nicht nur Hoffnung für die Psychologie und Psychiatrie, sondern verschaffte auch der damaligen Jugendkultur Aufwind. 1966 wurde LSD in den USA verboten, 1971 auch in Österreich. Auch die Forschung hatte ein halbes Jahrhundert lang pausiert.

"Wir konnten mit den neuesten bildgebenden Verfahren beobachten, was im Gehirn von LSD-Konsumenten vor sich geht", erklärt einer der Studienautoren, Enzo Tagliazucchi von der Universität Frankfurt, im Gespräch mit "science.orf.at". An 20 Probanden verglichen die Forscher LSD-Gehirne mit Placebo-Gehirnen. Die Ergebnisse passten zu den Selbstbeschreibungen der Konsumenten, zu ihren Halluzinationen.

Gehirn durchlässiger


Werden nämlich visuelle Informationen im Wachzustand für gewöhnlich in der Gehirnregion visueller Cortex verarbeitet, spielt dieser zwar bei LSD-Berauschten auch eine wichtige Rolle, steht aber in einem stärkeren Austausch mit anderen Gehirnarealen, schreiben die Autoren im Fachblatt "Pnas". Die Probanden sehen praktisch mit "mehr Hirn".

Die Grenzen zwischen den einzelnen neuronalen Netzwerken sind durchlässiger. Daraus resultiert eine vielfältige Wahrnehmung, in der verschiedene Sinneseindrücke ineinanderfließen.

Und noch eines konnten die Forscher nachweisen: "Ein Gehirn im LSD-Zustand ist eher wie das eines Kindes: frei und ungezwungen", betont Robin Carhart-Harris vom Imperial College in London. Im Laufe des Alters werden unsere Gehirne jedoch immer spezialisierter und starrer. Netzwerke von Gehirnzellen, die sich auf die Verarbeitung bestimmter Informationen spezialisiert haben, würden unter LSD-Einfluss wieder anschlussfähiger an andere. Das betrifft auch jene, die für das Selbstbewusstsein zuständig sind.

Die Wissenschafter sehen auch schon mögliche Anwendungsgebiete: etwa im Hospizwesen, um den Betroffenen ihre Ängste nehmen zu können. Hilfreich könnte die Substanz auch bei Depressionen sein, wo es ebenfalls gelte, "fixierte Schaltkreise" aufzubrechen, erklären die Forscher in ihrer Arbeit.