Oxford/Wien. Treffen wir gute Freunde, steigen das Wohlbefinden und die Zufriedenheit. Diesen positiven Einfluss haben wir den Endorphinen zu verdanken. Diese vom Körper selbst produzierten Botenstoffe wirken aber auch schmerzlindernd. Menschen, die einen größeren Kreis an Freundschaften pflegen, scheinen daher eine höhere Schmerztoleranz zu besitzen, wie ein Forscherteam um die Psychologin Katerina Johnson vom Department for Experimental Psychology der Oxford University herausgefunden hat.

Soziale Bindungen gefördert


Die Wissenschafterin versuchte, in ihren Studien zu verstehen, welche Unterschiede in unserer Neurobiologie dafür verantwortlich sind, dass manche Menschen größere soziale Netzwerke haben als andere. Schon frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass Endorphine soziale Bindungen, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Tieren, fördern. "Eine Theorie ist, dass soziale Interaktionen positive Emotionen hervorrufen, indem Endorphine an Opiatrezeptoren im Gehirn binden", erklärt Johnson in den "Scientific Reports". Das sorgt für den Wohlfühlfaktor, wenn wir unsere Freunde sehen."

Um diese Theorie zu überprüfen, setzte die Wissenschafterin auf das bekannte Faktum, dass Endorphine auch einen schmerzstillenden Effekt haben - mitunter stärker als das Opiat Morphin. Das Endorphinsytem wird nämlich auch in Notfallsituationen aktiviert. Dies ist der Grund dafür, warum manche sehr schwer verletzten Menschen zunächst keine Schmerzen verspüren.

Die Forscher erkannten in Folge, dass Menschen mit einem größeren sozialen Netzwerk eine höhere Schmerztoleranz besitzen. "Freundschaft kann Schmerzen definitiv zum Verschwinden bringen", urteilt die Studienautorin.

Sie fanden allerdings auch heraus, dass sportliche Typen und Menschen mit einem höheren Stress-Aufkommen dazu tendieren, sich nur in kleineren sozialen Netzwerken zu bewegen. "Es dürfte eine Frage der Zeit sein - Menschen, die mehr Zeit in Aktivität verbringen, haben weniger Zeit, Freunde zu treffen", betont Johnson. Offenbar scheint es aber eine noch interessantere Erklärung dafür zu geben. "Sowohl physisches als auch soziales Tun fördert die Freisetzung von Endorphinen. Vielleicht nützen manche Menschen ihre Aktivität als Alternative zur Sozialisierung, um einen Endorphin-Kick zu bekommen."

Die Quantität und Qualität unserer sozialen Kontakte scheint sich auf jeden Fall auf unsere physische und mentale Gesundheit auszuwirken und könnte für unser ganzes Leben einen entscheidenden Faktor darstellen. Als Spezies haben wir uns in einem besonders sozialen Umfeld weiterentwickelt. Das digitale Zeitalter wiederum hat uns die Situation beschert, dass die persönlichen sozialen Interaktionen wieder weniger geworden sind. Dies könnte den Forschern zufolge auch ein Grund dafür sein, dass die Gesundheit in der modernen Gesellschaft abgenommen hat.