Wien. Die heutigen Europäer stammen nicht von den ersten Einheimischen ab, sondern von Altsteinzeitmigranten aus dem Nahen Osten und Südwesten, erklären Forscher in "Nature". Ein Team mit österreichischer Beteiligung hat das Erbgut von 51 Funden aus Europa analysiert und dabei auch herausgefunden, dass ein vor 31.000 Jahren am Kremser Wachtberg in Niederösterreich bestatteter Säugling ein Bub war.

Bei dieser eiszeitlichen Fundstätte hat Christine Neugebauer-Maresch vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit Kollegen bei einem sehr gut erhaltenen Lagerplatz zuerst eine Doppelbestattung zweier Neugeborener freigelegt und später ein weiteres, mehr als 30.000 Jahre altes Babygrab. Die Forscher schätzen das Alter des Säuglings auf drei Monate. Mit einer DNA-Untersuchung von einem Stück Schädeldach gelang es, sein Geschlecht zu bestimmen. Außerdem steckte in diesem Kind noch mehr Neandertaler-Erbe als bei uns, erklärte Maria Teschler-Nicola vom Naturhistorischen Museum.

Neue Genvarianten


Die DNA der alten Knochen aus Russland bis Spanien erzählen auch einiges von der Besiedelung Europas. So sind die Genvarianten der ersten anatomisch modernen Menschen, die hier vor 45.000 Jahren gelebt haben, nicht mehr bei heutigen Menschen zu finden. Deren Ahnen tauchten erst vor etwa 37.000 Jahren hier auf. Auch der Bub vom Wachtberg gehörte zu einer Population, die zu den Vorfahren der heutigen Europäer gehört. Als sich am Ende der härtesten Periode der letzten Kaltzeit die Eisschilder zurückzogen, besiedelte wohl eine Gruppe aus dem Südwesten Europa. Dann kamen Migranten über die Balkanroute aus dem Nahen Osten, und zwar viel früher als angenommen. Sie brachten eine neue Genvariation mit.