Fiktiver Blick von einem der neu entdeckten Planeten. - © ESO
Fiktiver Blick von einem der neu entdeckten Planeten. - © ESO

Cambridge/Wien. "Existiert Leben außerhalb unseres Sonnensystems? Wenn ja, fällt unser Tipp auf drei nahezu erdähnliche Exoplaneten", schreiben Forscher des Massachusetts Institute of Technology in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" und verweisen damit auf ihre neueste Entdeckung: Um einen lediglich 40 Lichtjahre entfernten, kleinen, kühlen Stern kreisen drei Himmelskörper, von denen sich die Wissenschafter wohl einiges erhoffen.

Sowohl Größe als auch Temperatur dieser Welten seien vergleichbar mit den Verhältnissen auf der Erde und der Venus. Sie sind offenbar die besten Ziele seit der Suche nach Leben außerhalb unseres Sonnensystems, heißt es in der Publikation. Da die Planeten mit 40 Lichtjahren Entfernung recht nahe zur Erde stehen, sollte es den Astronomen auch möglich sein, die Zusammensetzung der Himmelskörper und ihrer Atmosphäre zu bestimmen, um nach chemischen Signalen für die Existenz von Leben Ausschau zu halten, heißt es.

Der Blick durch Trappist


Die Wissenschafter entdeckten die als habitabel geltenden Exoplaneten mit dem in Chile von der University of Liège (Belgien) betriebenen Transiting Planets and Planetesimals Small Telescope namens Trappist. Das Gerät ist darauf ausgerichtet, 60 kleine Sterne in der Nähe unseres Sonnensystems zu beobachten. Diese seien so winzig und kühl, dass sie für gewöhnliche optische Teleskope unsichtbar seien. Belgische Forscher entwickelten daher Trappist, um mit Infrarot-Wellenlängen sowohl nach den Sternen als auch sie umkreisende Planeten zu suchen. Der anvisierte Stern namens Trappist-1 ist so groß wie der Jupiter, aber wesentlich kühler als unsere Sonne.

Die Forscher hatten ihre Untersuchungen im September 2015 gestartet und konnten dabei anhand regelmäßiger Intervalle erkennen, dass einige Objekte vor dem Stern vorbeiziehen. Zwei Planeten umkreisen demnach Trappist-1 in eineinhalb beziehungsweise 2,4 Tagen. Damit trifft auf sie ähnlich viel Strahlung, wie es bei der Sonne auf die Erde der Fall ist.

Der dritte Planet benötigt, den Forschern zufolge, zwischen vier und 73 Tagen für eine Umrundung des Sterns, wie sie in der Publikation schreiben. Alle drei Himmelskörper könnten demnach auch Regionen aufweisen, in denen die Temperatur deutlich unter 400 Grad Kelvin (umgerechnet 126 Grad Celsius) liegt. Die Astronomen sehen darin eine Möglichkeit für das Vorhandensein von flüssigem Wasser und damit auch Leben.

Julien de Wit vom Department of Earth, Atmospheric and Planetary Sciences wertet die Entdeckung als "Jackpot". "Die Planeten sind so nah, ihr Stern so klein, dass wir die Möglichkeit haben, die Atmosphäre und deren Zusammensetzung zu studieren. Dies wird noch für unsere Generation möglich sein - ebenso die Beurteilung, ob sie aktuell bewohnt sind, werden wir noch selbst treffen können", erklärt de Wit in "Nature".

Erforschung der Details


Alle drei Planeten scheinen permanente Tag- und Nachtseiten zu haben. Die zwei inneren Himmelskörper seien jedoch bei Tag zu heiß und nachts zu kalt, um dort Lebensformen beherbergen zu können. Doch dürfte es ideale Punkte auf den Planeten geben, die bei Tageslicht geringere Temperaturen und damit passende Bedingungen für Leben aufweisen, so die Forscher. Der äußere Himmelskörper könnte völlig in einer habitablen Zone liegen.

"Nun müssen wir feststellen, ob sie bewohnbar sind", erklärt de Wit. "Wir wollen die Zusammensetzung der Atmosphäre herausfinden und suchen nach Biomarkern als Zeichen für Leben. Wir haben Einrichtungen über den Globus und im Weltall verteilt, die uns dabei helfen. Die unterschiedlichsten Wellenlängen - von UV bis zu den Radiowellen - erzählen uns alles, was wir über das System wissen wollen."