Wien. Die Entnahme von Grundwasser trägt deutlich weniger zum Anstieg des Meeresspiegels bei als angenommen, wie aus einer im Fachblatt "Nature Climate Change" veröffentlichten Studie hervorgeht. Dies ändere aber nichts an den Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegel, betonen Forscher des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg.

Im 20. und frühen 21. Jahrhundert ist der Meeresspiegel um 1,7 Millimeter pro Jahr gestiegen. Angesichts des Klimawandels wird gerechnet, dass der Trend anhält. Als Gründe nennen die Forscher das weltweite Abschmelzen der Eisschilde und Gletscher, die Ausdehnung des immer wärmer werdenden Wassers der Ozeane sowie die steigende Grundwasserentnahme durch den Menschen. Im Vergleich zu den beiden erstgenannten Faktoren sei der Beitrag des Grundwassers und anderer terrestrischer Wasser-Quellen aber gering, so das IIASA. Dennoch steigt die Sorge, dass sich der Meeresspiegelanstieg verschärfen könnte.

Bisher gingen die Forscher davon aus, dass nahezu 100 Prozent des entnommenen Grundwassers im Ozean landen. In der neuen Studie, die Rückkoppelungen zwischen Land, Meeren und Atmosphäre einbezieht, wird der Wert mit 80 Prozent berechnet. Damit mache der diesbezügliche Meeresspiegelanstieg nur rund ein Drittel des ursprünglich im Weltklimabericht angeführten Werts aus.

Studienleiter Yoshihide Wada vom IIASA erinnert daran, dass eine steigende Grundwasser-Entnahme auch Auswirkungen abseits der Ozeane hat. "Man kann das im Boden gespeicherte Wasser mit einem Bankkonto vergleichen. Wenn man mehr Geld abhebt, als auf das Konto eingezahlt wird, wird man Probleme bekommen." Eine nicht nachhaltige Nutzung kann in Zukunft zu Problemen bei der Nahrungsmittelproduktion führen, aber auch zu Umweltproblemen wie einer Verschlechterung der Wasserqualität.