Wien. Schnupfen-Viren dringen in eine Zelle ein und setzen ihr Erbgut (RNA) frei, um sich zu vermehren. Wie der Transport dieser RNA aus dem Virus in das Zytoplasma der infizierten Zelle erfolgt, können Wiener Forscher nun durch die Kombination von zwei Verfahren im Detail analysieren, wie sie im Fachjournal "Analytical and Bioanalytical Chemistry" berichten.

Die Schnupfen verursachenden Rhinoviren sind relativ einfach aufgebaut. Die Schale mit einem Durchmesser von ungefähr 30 Nanometern besteht aus vier verschiedenen Proteinen, die jeweils 60-fach vorhanden sind. Im Inneren befindet sich die Erbinformation der Viren in Form von RNA. Damit ein Virus sein Erbgut freisetzt, braucht es bestimmte äußere Bedingungen. In den menschlichen Zellen ist das etwa ein niedrigerer pH-Wert, den selben Effekt kann man aber auch mit höheren Temperaturen erzielen. In diesem Fall organisieren sich die Proteine um, die Schale des Virus bekommt Löcher, durch eines von ihnen wird dann der RNA-Strang freigegeben.

Zwei Verfahren zur Einsicht

Günter Allmaier und sein Team vom TU-Institut für Chemische Technologien und Analytik haben gemeinsam mit Forschern der Medizin-Universität Wien nun zwei etablierte Verfahren - die sogenannte "Molecular Beacons" und die Kapillarelektrophorese - kombiniert, um den Prozess zu analysieren. Damit können die Forscher beispielsweise zeigen, welches Ende der RNA zuerst aus dem Virus austritt und wie dieser Prozess genau abläuft.

Die Methode lässt sich nach Angaben der Wissenschafter auch auf alle anderen Viren anwenden. Für viele wissenschaftliche Fragen ist es wichtig, den Freisetzungsmechanismus der RNA genau zu verstehen, etwa für die Entwicklung von Medikamenten, die den RNA-Transport verhindern könnten.