Aedes aegypti, die Mücke, die Zika überträgt: Impfung könnte das Virus machtlos machen. - © ap/Felipe Dana
Aedes aegypti, die Mücke, die Zika überträgt: Impfung könnte das Virus machtlos machen. - © ap/Felipe Dana

Wien/Paris/London. (apa/est) Bestimmte Antikörper dürften sowohl alle vier bekannten Dengue-Virusarten als auch das Zika-Virus neutralisieren. Das ist die Erkenntnis eines internationalen Wissenschafterteams mit Beteiligung von Wiener Virologen. Eine Impfung konnte dafür sorgen, dass der Körper solche Antikörper erzeugt, berichten die Forschenden im Fachblatt "Nature".

"Das war eine extrem interessante Kollaboration", sagt Franz Xaver Heinz, ehemals Leiter des Departments für Virologie der Medizinuniversität Wien. Federführend beteiligt waren auch das Institut Pasteur in Paris und das Imperial College in London. "Die entscheidende Aussage ist, dass es einen bisher nicht bekannten Zusammenhang zwischen Zika- und Dengue-Viren gibt", so Heinz.

Zum Hintergrund: Dengue- und Zika-Viren gehören zur Gruppe der Flaviviren, ebenso wie das FSME-Virus. Weitere Mitglieder dieser Viren-Art sind das West-Nil-Virus und das Gelbfiebervirus. Am Department für Virologie der Medizinuni Wien wird dazu international beachtete Forschung betrieben. Etwa konnten die Wiener Experten nach einem Ausbruch von Zika-Erkrankungen in Französisch-Polynesien das E-Protein, das die Hülle der Krankheitserreger bildet, herstellen. Antikörper müssen diese Hülle durchdringen, um das Virus zerstören zu können.

An sich sind sich die Hüllen der Flavi-Viren recht ähnlich. Allerdings unterscheiden sich die Aminosäuren-Abfolgen jedes Typs (genannt Serotyp). Daher wirken die derzeit erhältlichen FSME-Impfungen gegen Dengue-Viren oder den Zika-Erreger nicht. Das könnte sich nun ändern. Für ihre Arbeit verwendeten die Forscher auch das E-Protein der Zika-Viren. Mit Hilfe von Röntgen-Strukturanalysen gelang es ihnen, in Zika eine Domäne auszumachen, die offenbar einer Domäne der vier Dengue-Virus-Serotypen gleicht. Bei Dengue-Patienten wiederum wurden breit wirksame Antikörper entdeckt, die die vier Dengue-Virus-Serotypen und Zika-Viren neutralisieren können.

Wenn es auch schwierig sein werde, auf dieser Basis eine Impfung herzustellen, existieren bereits Verfahren, mit denen man in Wien die E-Protein-Domäne für eine Vakzine nachbauen könnte, sagt Heinz. Jedenfalls könnten die neuen Erkenntnisse theoretisch die Basis für die zukünftige Impfstoffentwicklung auf diesem Gebiet darstellen.

Für derzeitige Epidemien wird ein Impfstoff allerdings zu spät kommen. Das Dengue-Fieber breitet sich weltweit aus. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge bedrohen die Viren rund 40 Prozent der Erdbevölkerung. Pro Jahr gibt es 390 Millionen Infektionen. Davon sind 96 Millionen so schwer, dass eine ärztliche Behandlung notwendig ist. In einigen Ländern ist bereits der erste Dengue-Impfstoff zugelassen, die Wirksamkeit ist jedoch noch nicht restlos geklärt.

Vor den Olympischen Spielen

Das Zika-Virus hat sich auf mehr als 60 Staaten und Regionen ausgebreitet, am stärksten in Brasilien. Als Reaktion hatten sich jüngst 150 Gesundheitsexperten in einem offenen Brief für eine Verschiebung der für 5. bis 21. August angesetzten Olympischen Spiele in Rio de Janeiro ausgesprochen. In dem Schreiben warnen die Experten vor globalen Gesundheitsrisiken. Eine halbe Million Besucher könnten sich in Rio anstecken und die Krankheit mit in ihre Heimatländer bringen. Die WHO wies die Bedenken zurück: Es bestehe keine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit, die die Vertagung oder Absage der Olympischen Spiele rechtfertige, teilte die Organisation mit. Auch würde eine solche Entscheidung "die internationale Ausbreitung des Zika-Virus nicht signifikant" beeinflussen, schließlich sei Brasilien nur eines von 60 Ländern, aus denen Übertragungsfälle durch Moskitos gemeldet würden und zwischen denen reger Reiseverkehr herrsche.

Bei Erwachsenen verläuft Zika zumeist harmlos, während Babys, deren Mütter sich während der Schwangerschaft anstecken, mit der gefährlichen Schädelmissbildung Mikrozephalie zur Welt kommen können. Der einzige Schutz davor ist derzeit, eine Schwangerschaft zu vermeiden.