Kiwi - der Nationalvogel der Neuseeländer. - © Fotolia/Isselée
Kiwi - der Nationalvogel der Neuseeländer. - © Fotolia/Isselée

Berlin. Sieben oder acht Mal hallt ein lang gezogener, schriller Pfiff durch den nördlichen Okarito-Wald. Jim Livingstone von der Naturschutzbehörde DoC (Department of Conservation) in Neuseeland lauscht diesem Konzert begeistert. Hört er doch gerade den Beweis, dass einer der seltensten Vögel des Landes vor dem Aussterben gerettet wird, der Rowi.

Mit den Rufen verteidigen die Männchen ihr Revier, ihre Partnerin singt in tieferer Tonlage. Diese Pfeif-Melodie des Rowi, auch Okarito-Streifenkiwi oder Apteryx rowi, drohte für immer zu verschwinden. Dabei rannten vor ein paar Jahrhunderten wohl noch einige Hunderttausend durch die Wälder im Westen der Südinsel und im Südosten der Nordinsel.

Menschen brachten Marder

Dann kamen mit den Polynesiern um 1200 und den Europäern um das 18. Jahrhundert erstmals Menschen ins Land, in dem außer ein paar Fledermaus-Arten vermutlich viele Jahrmillionen keine weiteren Säugetiere gelebt hatten. Die Menschen rodeten nicht nur Wälder - die Heimat der Vogelart Kiwi. Vor allem aber brachten die Europäer in den 1880er Jahren Hermeline und Wiesel, um eine importierte Kaninchen-Plage zu bekämpfen. Die Marder schätzen Eier als besondere Leckerbissen.

Ein ausgewachsenes Rowi-Männchen mit einem Gewicht von etwa 1500 Gramm oder ein noch kräftigeres Weibchen kann sich für gewöhnlich erfolgreich gegen ein 300 Gramm schweres Hermelin wehren. Nicht aber ein Küken.

Große Schnüffler

Die Rowis schnüffeln ähnlich wie alle Kiwis durch die Wälder: Anders als viele andere Vogelarten riechen sie sehr gut durch zwei "Nasenlöcher" am Schnabel. Dessen Spitze stecken sie tief in den Boden und ziehen lautstark Luft durch die Nase, um Würmer und Insekten zu erschnüffeln. Damit schlüpfen sie genau in die Rolle, die in Europa der Igel innehat.

Anders als dieser aber haben Kiwis keine Stacheln, sondern Federn. Damit schreckt man Hermeline, Hunde und Katzen kaum ab. Die Bestände aller fünf Arten der schnüffelnden Vögel begannen zu schrumpfen. Am schlimmsten erwischte es den Rowi: 1998 lebten im südlichen Okarito-Wald nur noch weniger als 200 auf 110 Quadratkilometern. Kiwis sind nicht nur die Nationalvögel Neuseelands, sondern auch Identitätsstifter: So stellen sich die Bewohner meist mit "Ich bin ein Kiwi" vor. Kurzum: Der Kiwi-Vogel musste gerettet werden.