Wien. Dass Sport gesund ist, ist lange bekannt. Doch mit welcher Intensität sportliche Aktivität den Organismus beeinflusst und welche Reize dabei im Detail gesetzt werden können, wurde erst im Laufe der letzten Jahre deutlich. Heute weiß man: Fitness schützt vor dem Altern, vor Tumorerkrankungen sowie vor Diabetes Typ 2. Und man weiß noch mehr: "30 Prozent macht die Genetik aus, den Rest haben wir selbst in der Hand", betonte Barbara Prüller-Strasser, Biomedizinerin an der Medizinischen Universität Innsbruck und wissenschaftliche Leiterin des 3. Fachtages Sporternährung, der heute, Freitag, in Wien stattfindet, im Vorfeld der Veranstaltung. Und auch die Ernährung dürfte weit mehr sein als nur ein Stillen des Hungergefühls.

15 Minuten Sport am Tag

Die Abnahme der Ausdauer- und Kraftleistungsfähigkeit sind aus physiologischer Sicht ein Hauptmerkmal des Alterungsprozesses. Mit sportlicher Aktivität ließen sich die Lebenserwartung steigern und das biologische Alter reduzieren, betonte die Expertin. So könne durch regelmäßiges Ausdauertraining das biologische Alter um 20 bis 30 Jahre jünger gehalten werden. Ein 70-Jähriger kann demnach noch die Körperfunktion eines 50-Jährigen haben. Über die tatsächlich nötige Dosis und die Art des Trainings herrscht noch etwas Unklarheit, wobei Studien zufolge bereits 15 Minuten Sport am Tag lebensverlängernd wirken können.

Bewegung alleine sei dabei jedoch zu wenig, so Prüller-Strasser und führt dabei das Intervalltraining an. Denn "es müssen Trainingsreize gesetzt werden". Dabei wird Sport heute nicht nur rein präventiv eingesetzt, sondern auch als Medikament - etwa bei chronisch entzündlichen Erkrankungen. Durch die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe könnten Entzündungsreaktionen des Körpers vermindert werden. Durch Krafttraining könnten Diabetes-Typ2-Patienten ihren Blutzucker in den Griff bekommen.

Auch als Präventionsmaßnahme ist körperliche Betätigung aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. So kann sie etwa davor schützen, überhaupt jemals an Typ2-Diabetes zu erkranken. Intensives konsequentes Langzeittraining über viele Jahre hinweg senke überdies das Brust- und Darmkrebsrisiko um bis zu 30 Prozent. Körperliche Aktivität reduziert aber nicht nur das Krebsrisiko, sondern verringert demnach auch bei bestehenden Krebserkrankungen die Rezidivrate, also das Wiederauftreten eines Tumors, sowie die Sterblichkeit - bei Brustkrebs laut Studien gar um 40 Prozent.

Nahrungsergänzung kaum nötig

Neben dem Training beeinflusst auch die Ernährung das Immunsystem. Bei dem Fachtag werden vor allem die Wechselwirkungen von Sport und Ernährung auf unsere Körperabwehr beleuchtet. Der Innsbrucker Biochemiker Dietmar Fuchs kritisierte diesbezüglich die "Marketing-Maschinerie" der Erzeuger von Nahrungsergänzungsmitteln. Mit Tabletten nachhelfen, müsse man in unseren Breiten selten, betonte der Experte. Dennoch würden 60 Prozent der Österreicher derartige Produkte konsumieren und dafür rund 100 Millionen Euro pro Jahr investieren. Sehr wohl könnten im Alter Mangelzustände auftreten, die mit einer Verschlechterung der Immunfunktion und einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte einhergehen. Gefährdet seien auch Raucher und strenge Vegetarier, sodass das Einnehmen von Supplementen dann nötig werden könnte, so der Experte.