Wien. Während lange davon ausgegangen wurde, dass rheumatische Erkrankungen ausschließlich in den Gelenken Schäden verursachen, ist heute belegt, dass es im gesamten Körper zu negativen Auswirkungen kommen kann. Betroffen sein können etwa das Herz-Kreislauf-System oder auch die Augen, wie Experten am Dienstag anlässlich des Weltrheumatages feststellten. Die therapeutischen Möglichkeiten sind mittlerweile massiv gewachsen.

Ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten ist nötig, denn immerhin zählen mehr als 400 Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates zum rheumatischen Formenkreis. In Österreich sind zwei Millionen Menschen davon betroffen.

"Ziel der Behandlung ist die Remission", ein Stillstand der Erkrankungsaktivität, betonte Rudolf Puchner von der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie vor Journalisten. 14 Biologika, biotechnologisch hergestellte Antikörper-Substanzen, die gezielt gegen bestimmte biologische Moleküle gerichtet sind, seien derzeit zugelassen. Sie blockieren die Entzündungskaskade im Körper und tragen großteils zur Beschwerdefreiheit der Patienten bei.

In Tablettenform verabreicht

In der Pipeline befinden sich die "small molecules" - sogenannte Januskinase-Inhibitoren -, die im Gegensatz zu den Biologika nicht gespritzt werden müssen, sondern in Tablettenform zur Verfügung stehen. Sie können auch dann zum Einsatz kommen, wenn Biologika nicht mehr greifen, betonte Puchner. Denn bei 50 Prozent der Patienten würde nach rund fünf Jahren ein Wirkungsverlust eintreten.

Marcus Köller vom SMZ Sophienspital Wien machte darauf aufmerksam, dass die Lebenserwartung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung bei Patienten mit rheumatoider Arthritis um zehn bis 15 Jahre kürzer ist. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen würde jenem von Diabetikern und Bluthochdruckpatienten gleichen. Bestimmte rheumatologische Erkrankungen würden zudem direkt Herz und Gefäße schädigen.

Auch das Sehorgan bleibe nicht verschont, betonte die Augenärztin Talin Barisani-Asenbauer. Häufig werde eine rheumatische Erkrankung von Augenentzündungen begleitet, die allerdings auch vor oder nach der Gelenkserkrankung beginnen können - je nach Rheuma-Typ in verschiedenen Ausprägungen. Die Medizinerin warnt davor, das Trockene-Augen-Syndrom als Empfindlichkeitsstörung abzutun, da es sich in Kombination mit Rheuma meist nur um ein Anfangsstadium einer schweren Augenentzündung (Uveitis) handeln kann.

Der 16. Wiener Rheumatag findet heuer unter dem Motto "Lebensqualität mit Rheuma" am 23. November im Rathaus statt.

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