Wien. Auf dem Erbgut von Menschen und anderen Organismen gibt es "springende Gene" als Untermieter. Kleine Stückchen RNA (Ribonukleinsäure) sorgen dafür, dass diese in den Keimzellen keinen Schaden anrichten. Wiener Forscher berichten im Fachblatt "Nature", dass diese Waffen gegen potenziell schädliche Erbgut-Bewohner von zwei unterschiedlichen Systemen an unterschiedlichen Orten gefertigt werden.

Fast die Hälfte des menschlichen Erbguts wird von springenden Genen bevölkert, die eher eigennützig sind, als dass sie dem Organismus dienen, erklärten die Forscher um Julius Brennecke und Stefan Ameres vom Institut für Molekulare Biotechnologie (Imba) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien in einer Aussendung. Wenn sie ungestört herumhüpfen, entstehen Mutationen, die hie und da für die Evolution einer Art positiv, meist jedoch schädlich sind. Vor allem in Keimzellen sorgen sie zuweilen für Unfruchtbarkeit.

Die Keimzellen haben daher spezielle RNA-Stückchen, sogenannte piRNAs, die an die potenziell schädlichen Erbgut-Bewohner andocken und sie dadurch lahmlegen. Wie diese fabriziert werden, war aber bisher unklar. "Zwar war bekannt, welcher Mechanismus das eine Ende definiert, aber bei der Herstellung von piRNAs müssen ja beide Enden exakt zugeschnitten werden", so die Forscher.

Sie konnten nun zeigen, dass es zwei Wege gibt, um einsatzfähige piRNAs herzustellen. In den Mitochondrien, den "Kraftwerken" der Zellen, gibt es einen Eiweißstoff namens "Zucchini", der sie in Fasson bringt, und im Zellplasma bewerkstelligt dies sein Kollege "Nibbler".