Ackerwildkräuter wie den Mohn erhalten. - © Fotolia/andreamangoni
Ackerwildkräuter wie den Mohn erhalten. - © Fotolia/andreamangoni

Wien. Naturschützer und Wissenschafter haben die Tiere und Pflanzen des Jahres 2017 gekürt. Sie wollen damit das Bewusstsein für eine bestimmte Art oder einen Lebensraum schaffen und auf Gefährdungen aufmerksam machen. Für 2017 finden sich Wolf, Klatschmohn, Seesaibling, Blindschleiche, Gottesanbeterin, Waldkauz und Sumpfbovist auf der Liste des Naturschutzbundes.

"Tier des Jahres" ist der Wolf. Der Naturschutzbund verhalf dem Rudeltier zu dieser Ehre, "damit er nicht ein zweites Mal verloren geht". Der Wolf wurde in Österreich im 19. Jahrhundert ausgerottet. Heute wandern allerdings immer wieder einzelne Tiere und Gruppen aus Nachbarstaaten ein. Die Lebensbedingungen für ihn wären hierzulande angesichts wachsender Waldflächen und hoher Bestände an Beutetieren (Hirsch, Reh, Wildschwein) durchaus gut. "Der Wolf gehört zum natürlichen Arteninventar Österreichs", so die Begründung. Die Rückkehr sei positiv zu sehen, mit der Jägerschaft und Bauern, die Verluste befürchten, müssten aber Lösungen gefunden werden.

Um auf das Verschwinden von Ackerwildkräutern aufmerksam zu machen, hat der Naturschutzbund den Klatschmohn zur "Blume des Jahres" gekürt. Die Entscheidung soll darauf hinweisen, dass durch den Rückgang der Wildpflanzen auf den Äckern Kulturlandschaft optisch an Reiz verlieren und Bestäuber wie Schmetterlinge, Hummeln und Bienen bedroht sind. Der meist zweijährige, genügsame Klatschmohn wird durch die Landwirtschaft aus den Getreidefeldern verdrängt. Der Überlebenskünstler findet sich aber auch an Wegrändern, in Brachen, Schuttflächen und Gärten.

Mit der Ernennung der Gottesanbeterin zum "Insekt des Jahres" soll auf deren Ausbreitung als Folge des Klimawandels hingewiesen werden. Ursprünglich stammt die Fangschrecke aus Afrika. An sich ist sie im pannonischen Raum vom Neusiedlersee bis Wien seit Jahrhunderten bekannt. Seit 1980 wandert sie aber auch über Slowenien in die Steiermark und nach Kärnten bis zum südlichen Alpenrand ein. Die Gottesanbeterin, die ihren Namen ihren dornenbewehrten Fangbeinen verdankt, liebt sonnenexponierte Lagen in Gras- und Buschlandschaften und Halbtrockenrasen. Ihre Färbung hat sich in Österreich von hellgrün zu graubraun verändert.

Der "Fisch des Jahres" lebt in den Alpenseen und landet oft in den heimischen Pfannen. Als beliebter Speisefisch soll der Seesaibling eine positive Einstellung zur heimischen Wasserwelt vermitteln, so das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz. Wohler als in Kochgefäßen fühlt sich der durch einen leuchtend orangefarbenen Bauch und weiß gesäumte Flossen erkennbare Fisch in tiefem Kaltwasser. Durch die isolierten Alpenseen bildeten sich nach der letzten Eiszeit unterschiedliche Formen, wie Normalsaibling, Wildfangsaibling, Schwarzeuter und Tiefseesaibling.

Eine beinlose, ihrem Namen zum Trotz gut sehende Echse ist "Reptil des Jahres": die Blindschleiche. Sie gehört in Österreich zu den häufigsten Kriechtieren und bevorzugt feuchte, lichte Wälder und Waldränder mit vielfältigen Verstecken. Auch in naturnahen Gärten ist sie anzutreffen, wo sie zur Freude der Gärtner Nacktschnecken vertilgt. Derzeit halten die Blindschleichen in Erdlöchern Winterruhe. Im Frühling ist bei ihnen Paarungszeit und im Sommer gebären die Weibchen vollständig entwickelte Jungtiere, die sich dann vor Füchsen, Iltissen, Dachsen, Katzen und Greifvögeln in Acht nehmen müssen.

Ebenso hüten sollte sich die Blindschleiche vor dem "Vogel des Jahres", dem Waldkauz. Die Vogelschutzorganisation Bird Life bezeichnet ihn als "Botschafter für den Erhalt nahrungsreicher Wälder mit großem Altbaum- und Totholzbestand". Der lautlose Jäger der Nacht lebt in Laub und Mischwäldern, Parks, Gärten und Friedhöfen und zählt zu den häufigsten Eulen Mitteleuropas. Solange Restlicht vorhanden ist, sieht der Krähen-große Vogel wunderbar, bei Dunkelheit verlässt er sich auf sein feines Gehör. Mit seiner großen Anpassungsfähigkeit ist der Waldkauz eine Ausnahme.