Wien. (est) Manche Frauen berichten während der Schwangerschaft, sie hätten das Gefühl einer intensiveren Sinneswahrnehmung oder von Vergesslichkeit: "Mein Gehirn verändert sich", ist eine typische Erklärung. Wie sich zeigt, haben die Frauen recht: Eine Schwangerschaft führt tatsächlich zu Veränderungen im Denkorgan.

Forscherinnen haben die Hirnstrukturen von Frauen vor und nach der ersten Schwangerschaft untersucht und morphologische Veränderungen vorgefunden, die sich frühestens nach zwei Jahren zurückbildeten. Anhand von Magnetresonanztomographien erkannten die Wissenschafterinnen der Freien Universität Barcelona, dass in der ersten Schwangerschaft jener Teil der Grauen Masse zurückgeht, die für soziale Wahrnehmung zuständig ist, berichten sie in "Nature Neuroscience".

Die Neuro-Forscherinnen gehen davon aus, dass die Veränderungen helfen, Schwangere auf die Mutterschaft vorzubereiten. "Der Prozess ähnelt synaptischen Schnitten bei Teenagern, bei denen das Gehirn schwächere Synapsen kappt, um Platz zu schaffen für effizientere neuronale Netzwerke", erklärt Ko-Autorin Elseline Hoekzama. Die graue Masse bildete sich in genau jenen Regionen zurück, die besonders aktiv wurden, wenn die Mütter Ultraschallfotos ihrer Kinder im Mutterleib betrachteten.

Für die Studie wurden in einem Zeitraum von fünf Jahren Magnetresonanz-Aufnahmen der Gehirne von 25 Erstgebärenden vor und während der Schwangerschaft und jenen ihrer männlichen Partner gemacht. Auch die Denkorgane einer Kontrollgruppe von 20 Frauen, die nicht schwanger oder noch nie schwanger waren, sowie von deren männlichen Partnern, wurden tomographiert.