Utrecht. (gral) Eine niederländische Fruchtbarkeitsklinik hat möglicherweise irrtümlich mehrere Kuckuckskinder produziert. Wegen eines Verfahrensfehlers könnte das Sperma eines falschen Mannes im Zuge des In-Vitro-Verfahrens mit den Eizellen von 26 Frauen zusammengeführt worden sein, die eigentlich mit ihrem eigenen Partner ein Kind zeugen wollten. "Es besteht die Möglichkeit, dass Eizellen mit Sperma befruchtet wurden, das nicht von dem beabsichtigten Vater stammt", hieß es nun in einer Erklärung der betroffenen Universitätsklinik in Utrecht. Die betroffenen Paare seien indessen informiert worden und eine Untersuchung soll so schnell wie möglich Klarheit darüber schaffen.

Strenge Kontrolle in Österreich

Die Hälfte der zwischen April 2015 und November 2016 möglicherweise falsch behandelten Frauen wurden in Folge der künstlichen Befruchtung schwanger, neun der Frauen hätten bereits ihr Kind zur Welt gebracht. Die andere Hälfte verweilt derzeit als Embryonen in der Tiefkühlung. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre der biologische Vater dieser Kinder nicht wie von den Paaren gewünscht der Partner der Mutter, sondern ein gänzlich anderer Mann.

Erschrocken über den Vorfall zeigte sich der österreichische IVF-Experte Wilfried Feichtinger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Hierzulande sei ein solch unglücklicher Zwischenfall nicht möglich, versichert er. "Wir unterliegen strengen Kontrollen und halten uns an Standard Operating Procedures. Wenn man so genau nach diesen Regeln arbeitet, kann so etwas nicht passieren", so der Mediziner.

Strenge Regeln gebe es europaweit - nicht zuletzt die europäische Geweberichtlinie, die Qualitäts- und Sicherheitsstandards für die Spende, Beschaffung, Testung, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung und Verteilung von menschlichen Geweben und Zellen festlegt. Diese gelte für sämtliches biologisches Material und damit auch für Ei- und Samenzellen. Manche hätten im Vorfeld die Einbindung von Ei- und Samenzellen in diese Richtlinie für übertrieben befunden, erklärt Feichtinger, "aber wenn man solche Geschichten hört, denkt man sich, es ist schon gut, dass es so strenge Regeln gibt".

In den Niederlanden dürfte man damit, sollten sich die Vermutungen als richtig herausstellen, offenbar etwas lockerer umgegangen sein. Feichtinger erinnert im Zuge dessen auch an einen Riesenskandal vor einigen Jahren, wo sich herausstellte, dass ein ganzer Gefriertank im Rahmen eines In-Vitro-Verfahrens mit Hepatitis-C-Viren verunreinigt gewesen war.

Beim In-Vitro-Verfahren werden der Mutter Eizellen entnommen, die dann im Labor mit dem Sperma des Vaters befruchtet werden und zurück in die Eierstöcke der Mutter gesetzt werden. Zu Verwechslungen kommt es weltweit sehr selten. In Singapur wurde 2012 ein solcher Fall bekannt. 2014 sorgte der Fall eines Angestellten in einem US-IVF-Labor für Schlagzeilen. Er könnte einem Paar sein eigenes Sperma untergejubelt haben. In Polen trug 2015 eine Frau wegen einer Verwechslung ein fremdes Kind aus.