Aix-en-Provence. Die Entwicklung der menschlichen Sprache könnte früher begonnen haben als vor rund 100.000 Jahren wie angenommen. Bei einer akustischen Analyse von Paviangeräuschen konnten Joel Fagot von der Universität Aix-Marseille im französischen Aix-en-Provence und seine Kollegen Laute identifizieren, die mit fünf menschlichen Vokalen verwandt sind. Die Forscher vermuten deshalb, dass bereits die letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Pavianen vor 25 Millionen Jahren sprachähnliche Laute von sich gaben.

"Gesprochene Sprache hinterlässt keine Fossilien", betonen die Biologen im Fachmagazin "Plos One". Dies sei der Grund dafür, dass die Entwicklung der Sprache so schwer zu erforschen sei. Bisher wurde die Sprach-Entwicklung an die Lage des Kehlkopfs im Hals gekoppelt, der beim Menschen tief sitzt. Neuere Studien lassen Zweifel an der Theorie aufkommen.

Die Forscher um Fagot nahmen Laute von Guinea-Pavianen auf. Sie verglichen die Lautbildung und Schallfrequenzen der Paviane mit Vokalen zwölfjähriger Menschen, deren Vokaltrakt etwa gleich lang ist wie bei Pavianen. So konnten sie einzelne Pavianlaute menschlichen Vokalen zuordnen: die für Paviane typischen "Wa-ho"-Schreie etwa dem Ä und dem O oder zwei Grunzlaute dem U. Die Biologen fanden Achsen der Lauterzeugung - Zunge vorne oder hinten, Zunge hoch oder tief -, die es auch beim Menschen gibt. Laut den Forschern könnte sich Sprache viel früher entwickelt haben.