Klosterneuburg/Wien. Räumliche Informationen festigen sich im Schlaf, und zwar gleich an zwei Orten parallel - in der Großhirn-Region und im Merkzentrum, berichten österreichische Forscher im Fachjournal "Science". Wenn sich etwa Ratten durch ein Labyrinth bewegen, werden Nervenzellen im Gehirn aktiviert, die den Weg aufzeichnen. Im Schlaf festigt sich dann diese räumliche Information, indem dieselben Neuronen noch einmal feuern. Das geschieht in diesen zwei Hirnregionen, die zudem unabhängig voneinander arbeiten, erklären Jozsef Csicsvari und seine Kollegen vom Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg.

Zum Hintergrund: 2014 ging der Medizin-Nobelpreis an die norwegischen Neurowissenschafter May-Britt Moser und Edvard Moser sowie an den US-Forscher Josef O’Keefe für die Entschlüsselung des räumlichen Gedächtnisses. Sie hatten die zuständigen Zellen in einer Region des Großhirns und in "Orts-Zellen" im Hippocampus identifiziert. Die beiden Hirnareale stehen in regem Kontakt miteinander. Allerdings dachte man bisher, dass der Hippocampus die Vorgänge leite, wenn die räumliche Erinnerung im Schlaf durch wiederholtes Abrufen gefestigt wird, und das Großhirn ihn bloß unterstützt.

Csicsvari und sein Team haben nun die Aktivitäten der Nervenzellen in beiden Regionen gleichzeitig aufgezeichnet, während sich Ratten zuerst körperlich im Wachzustand und danach im Geiste im Schlaf durch ein Labyrinth bewegten. Die Forscher sahen, dass die Region im Großhirn dabei das Gleiche leistete wie der Hippocampus, dass die beiden unabhängig voneinander agierten und dass die Orts-Zellen im Schlaf so gefeuert werden, dass der in der Wachphase zurückgelegte Weg im Zeitraffer abgerufen wird.